Im Kampf gegen die Besuchermassen in Amsterdam hat Bürgermeisterin Femke Halsema vorgeschlagen, den Cannabis-Tourismus in Amsterdam durch ein Verbot von Gras und Haschisch einzuschränken. Das würde bedeuten, dass vor allem jüngere Cannabis-Touristen in Zukunft keine THC-Produkte mehr legal in Coffeeshops erwerben können. Steht der Kiffer-Tourismus in Amsterdam nun vor dem Aus?

Amsterdam Coffeeshop Schild

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Jeder, der schon einmal in Amsterdam war, kennt es: die Straßen sind voll mit Touristen, die Coffeeshops überfüllt und der Geruch von Cannabis in der ganzen Stadt verteilt. Man passiert auf dem Spaziergang durch die Innenstadt mehrere rot unterlaufene Augen, während man aufpasst, nicht über die Füße anderer zu stolpern. Zugegeben, der Overtourism ist ein wirklich gravierendes Problem in Amsterdam. Ungefähr 17 Millionen Touristen zählt die Stadt, in der circa eine Million Bürger leben. Tendenz steigend!

Zwölf Prozent weniger Touristen nach Cannabis-Verbot

Die Bürgermeisterin Femke Halsema sucht nun nach Lösungsansätzen, um diesem Problem entgegen zu wirken. Aus unterschiedlichen älteren Studien ging bereits hervor, dass die tolerante Drogenpolitik Amsterdams für viele kiffende Besucher der Grund für einen Städtetrip nach Amsterdam ist. Aus diesem Grund hat die Bürgermeisterin eine weitere Studie bei der Abteilung für Forschung, Information und Statistik in Auftrag geben, um herauszufinden, welche Bedeutung Gras und Haschisch für die Touristen in Amsterdam tatsächlich haben und die Ergebnisse sind erstaunlich. Mehr als 42 Prozent der britischen Studienteilnehmer gaben an, dass sie weniger häufig in die Stadt kommen würden, wenn Cannabis verboten wird. Sogar zwölf Prozent der Teilnehmer gestanden, nie wieder nach Amsterdam zu kommen, sollte das Verbot von THC-Produkten wirklich durchgesetzt werden.

Dass diese Zahlen der Bürgermeisterin im Kampf gegen den Overtourism Hoffnung machen, ist nachvollziehbar. So könnte sie die Touristenmassen der Altersgruppe zwischen 19 und 35 leichter regulieren und Besucherströme besser leiten – das ist zumindest die Idee dahinter. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass Cannabis-Konsumenten meist auch auf illegalem Wege an THC-Produkte kommen, was organisierte Bandenkriminalität sowie den illegalen Verkauf von Gras und Haschisch wieder ankurbeln könnte. Schließlich gab jeder Fünfte der Umfrage an, andere Mittel und Wege zu finden, um an Marihuana heranzukommen wie beispielsweise einen Einheimischen um den Erwerb des Rauschmittels zu bitten.

Erste Maßnahme: Verbot der Rotlicht-Führungen

Noch wirft ein Verbot von Cannabis weitere Fragen und Probleme auf und bisher ist noch nichts gesetzlich festgelegt. Eine ganz andere Baustelle befindet sich in Amsterdams Rotlichtbezirk: Mehr als 115 Touren führen täglich vorbei an den Schaufenstern verschiedener Sexarbeiterinnen, die von einigen Touristen fotografiert und respektlos behandelt werden. Um Sexarbeiterinnen nicht mehr als Touristenattraktion abzufertigen, werden diese Touren ab dem 1. April 2020 verboten. Führungen durch das Rotlichtviertel Amsterdams sind zwar weithin erlaubt, doch sie müssen sich zukünftig von den Fenstern fernhalten. Außerdem darf die Größe von geführten Gruppen die maximale Zahl von 15 Personen nicht überschreiten. Damit sollen auch die Anwohner und dort ansässigen Unternehmen weniger gestört werden. Ob Cannabis allerdings wirklich verboten wird, bleibt weiterhin spannend.

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