Welche Ansprüche Ihr im Rahmen der Fluggastrechte bei Flugausfällen oder Verspätungen geltend machen könnt und wann die Fluggastrechteverordnung greift, erfahrt Ihr in meinem Artikel. Nicht selten klagen Passagiere über Flugverspätungen oder Annullierungen, die die Ankunft am Zielort verzögern. Damit Ihr in solchen Fällen wisst, welche Forderungen Ihr stellen könnt und wann die Airlines dazu angehalten sind, Ausgleichszahlungen zu leisten, habe ich die wichtigsten Regelungen und Leistungen, auf die Ihr Anspruch habt, für Euch zusammengefasst.

Fluggastrechte

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Fluggastrechteverordnung

Welche Leistungen Fluggäste in Anspruch nehmen können, ist in der Fluggastrechteverordnung der EU festgelegt. Dort ist geregelt, dass Passagieren bei Flugverspätungen, Annullierungen, Überbuchungen, Nichtbeförderung und damit einhergehenden Umbuchungen bestimmte Entschädigungen zustehen. Wenn Ihr Euch unsicher seid, ob Ihr Anspruch auf Entschädigungszahlungen habt, könnt Ihr also die Verordnung der EU zu Rate ziehen. Dort ist auch geregelt, wann die Fluggesellschaften Versorgungsleistungen und wann finanzielle Entschädigungen erbringen müssen.

Zur Fluggastrechteverodnung

Wann gelten die Fluggastrechte?

Um die Leistungen, die in der EU-Verordnung festgelegt sind, in Anspruch nehmen zu können, müssen einige Bedingungen erfüllt sein. Grundsätzlich gelten die Unterstützungsleistungen bei allen verspäteten oder gecancelten Flügen, die sowohl innerhalb der EU starten als auch landen, und in den letzten drei Jahren durchgeführt wurden. Erfolgt lediglich die Landung – nicht aber der Start – in einem EU-Staat, so muss die Fluggesellschaft ihren Sitz in der Europäischen Union haben. Einen finanziellen Ausgleich erhaltet Ihr erst ab einer Verspätung von drei Stunden am Endziel. Auch der Fluggast hat zwei Bedingungen zu erfüllen, um seinen Anspruch auf Versorgungs- und Entschädigungszahlungen im Falle eines zu späten Fluges, einer Stornierung oder Um- und Überbuchung geltend machen zu dürfen. Dazu zählen die rechtzeitige Anwesenheit am Check-in des Flughafens (üblicherweise 45 Minuten vor der geplanten Flugzeit) und das Vorweisen eines gültigen Tickets.

Alle Bedingungen auf einen Blick

  • finanzieller Ausgleich erst ab drei Stunden Verspätung am Zielort
  • der Flug, für den Ihr Ansprüche gelten machen möchtet, wurde in den letzten 3 Jahren durchgeführt
  • der Startflughafen liegt innerhalb der EU oder der Zielort liegt innerhalb der EU & die Airline hat ihren Sitz in der EU
  • es liegen keine außergewöhnlichen Umstände vor
  • Ticket liegt vor
  • Ticket beinhaltet keinen reduzierten oder kostenlosen Tarif
  • pünktlicher Check-In

Fluggastrechte bei Verspätung

Gut zu wissen:

Die Verspätung wird anhand der Ankunftszeit am Zielort gemessen – sobald mindestens eine Flugzeugtüre geöffnet wird.

Ihr fragt Euch, ab wann Ihr bei einem verspäteten Flug Anspruch auf Gegenleistungen habt? Dann seid Ihr hier genau richtig. Ist Euer Flug eine gewisse Stundenanzahl in Verzug, habt Ihr laut Verordnung einen Anspruch auf entsprechende Entschädigungen. Diese werden an die Länge der Flugstrecke und die Höhe der Verspätung angepasst. Bei einem Flug, der eine Distanz von mehr als 1.500 Kilometern zurücklegen soll, ist die Rückvergütung also dementsprechend höher als bei Kurzstrecken. Alle Infos zu den Fluggastrechten bei verspäteten Flügen und welche Leistungen Euch genau zustehen, habe ich hier für Euch zusammengefasst.

Finanzielle Entschädigungen

Finanzielle Entschädigungsleistungen kommen ab einer Verspätung von mindestens drei Stunden zum Tragen. Die Höhe der Ausgleichszahlung bemisst sich dabei jeweils an der Länge der Flugstrecke. Fliegt Ihr weniger als 1.500 Kilometer, habt Ihr einen Anspruch auf 250 Euro. Bei Mittelstrecken zwischen 1.500 und 3.500 Kilometern stehen Euch 400 Euro zu und bei Langstrecken über 3.500 Kilometer könnt Ihr 600 Euro geltend machen.

  • < 1500 km: 250 Euro
  • 1500 – 3500 km: 400 Euro
  • > 3500 km: 600 Euro

Achtung: Bei der finanziellen Entschädigung gibt es im Gegensatz zur Versorgung eine wichtige Voraussetzung: Die Fluggastrechteverordnung verpflichtet die Fluggesellschaft nur dann zu den erstgenannten Leistungen, wenn die Airline die Verzögerung, den Ausfall oder die Über- und Umbuchung selbst verschuldet hat. Außergewöhnliche Umstände wie Streiks, Unwetter oder Sperrungen des Luftraums oder eines Flughafens fallen nicht in den Verantwortungsbereich der jeweiligen Fluglinie.

Versorgungsleistungen

In Abhängigkeit der vorliegenden Verspätung stehen den Fluggästen unterschiedliche – stets kostenfreie – Leistungen beziehungsweise Rechte zu. Diese sogenannten Betreuungsleistungen könnt Ihr bereits ab einer Verzögerung von zwei Stunden (bei Strecken unter 1.500 Kilometern) in Anspruch nehmen. Bei einer Strecke bis 3.500 Kilometer müssen drei Stunden Verspätung vorliegen und bei mehr als 3.500 Kilometern mindestens vier Stunden. Treffen diese Bedingungen auf Euch zu, stehen Euch folgende Betreuungsleistungen zu:

  • Essen und Getränke
  • zwei Telefonate, Faxe oder E-Mails

Fällt der Zeitpunkt Eures Ersatzfluges zudem erst auf den nächsten Tag, habt Ihr Anspruch auf eine Hotelübernachtung und den Transfer zwischen Flughafen und Hotel. Bei einer Verspätung von mehr als fünf Stunden habt Ihr außerdem die Möglichkeit, Euer Ticket umzutauschen oder zurückzugeben beziehungsweise erstatten zu lassen. Die genannten Ansprüche gelten nicht nur, wenn die Fluggesellschaft etwa durch einen technischen Defekt für die die Verspätung verantwortlich ist, sondern auch bei sogenannten außergewöhnlichen Umständen, zu denen unter anderem Streiks und schlechte Wetterbedingungen zählen. Alle Versorgungsleistungen seht Ihr in meiner Tabelle auf einen Blick.

Entschädigung<1.500 km1.500 – 3.500 km>3.500 km
Essen & Getränkeab 2 h Verspätungab 3 h Verspätungab 3 h Verspätung
zwei Telefonate, Faxe oder E-Mailsab 2 h Verspätungab 3 h Verspätungab 3 h Verspätung
Hotelübernachtung & TransferFlug am nächsten TagFlug am nächsten TagFlug am nächsten Tag
kostenlose Stornierung & Erstattung des Flugpreisesab 5 h Wartezeitab 5 h Wartezeitab 5 h Wartezeit

Fluggastrechte bei Annullierungen

Wurde Euer Flug annulliert, schreibt die Verordnung vor, dass Fluggäste frühestmöglich, nämlich 14 Tage vor der Abflugzeit, informiert werden müssen. Damit soll gewährleistet werden, dass Ihr im Ernstfall umplanen und gegebenenfalls auf Ersatzflüge oder andere Verkehrsmittel umsteigen könnt. Wurde diese Frist nicht eingehalten, habt Ihr Anspruch auf Rückvergütung. Außerdem ist die Fluggesellschaft dazu verpflichtet, für eine alternative Beförderung zu sorgen – zum Beispiel in Form eines Alternativflugs. Es muss aber nicht zwangsweise ein Ersatzflug bereitgestellt werden, auch Mietwagen oder Bahntickets können als Ersatz dienen. Auch hier gilt, dass Euer Flug entweder in der EU gestartet oder dort mit einer Airline mit Sitz in der EU gelandet wäre. Alle Rechte, die Ihr bei einer Annullierung habt, seht Ihr hier übersichtlich aufgelistet:

  • Erstattung des Ticketpreises
  • Rückflug zum Ort des Abflugs
  • Ersatzbeförderung zum Endziel zum Beispiel in Form eines Ersatzfluges
  • Essen, Getränk & Erfrischungen
  • 2 Telefonate, Faxe oder E-Mails
  • ggfs. Übernachtung im Hotel inkl. Transfer

Flughafen Frau Koffer

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Fluggastrechte bei Streik

Sind die Probleme mit den Flügen auf außergewöhnliche Umstände wie beispielsweise Streiks zurückzuführen, greifen die sogenannten außergewöhnlichen Umstände. Liegen außergewöhnliche Umstände vor, müssen die Airlines keine Ausgleichszahlungen leisten. Außergewöhnliche Umstände sind neben Streiks auch natürliche Gegebenheiten wie Schnee, Eis oder Aschewolken. Hinzu kommen Terrorwarnungen und Vogelschlag. Versorgungsleistungen wie Essen und Getränke werden jedoch unter entsprechenden Bedingungen auch trotz außergewöhnlicher Umstände fällig.

Fluggastrechte bei Pauschalreisen

Ihr habt eine Pauschalreise gebucht und fragt Euch, an wen Ihr Euch im Falle eines verspäteten Flugs oder einer Flugannullierung zum Einfordern der Fluggastrechte wenden sollt? Prinzipiell könnt Ihr sowohl beim Reiseveranstalter als auch bei der Airline selbst Ansprüche geltend machen. Allerdings empfehle ich Euch, Eure Forderungen immer direkt an die Fluggesellschaft zu stellen, da so meist mehr Geld für Euch herausspringt als über den Veranstalter. Sind alle Bedingungen erfüllt, kommt auch für Euch die EU-Verordnung zum Tragen. Für Pauschalurlauber gelten bei verspäteten Flügen oder Ausfällen also die gleichen Regeln wie für Flugreisende, die nur den Flug gebucht haben.

Fluggastrechte bei Anschlussflügen

Bei der Frage nach der Zuständigkeit bei Flügen mit Umstieg herrschte bislang oft Unklarheit. Wer ist verantwortlich, wenn mein Anschlussflug Verspätung hat und habe ich dann überhaupt Ansprüche auf Entschädigungsleistungen? Mit einem Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) im Jahr 2019 wurde dieser Frage nachgegangen. Seitdem gilt: Startet Euer Flug in der EU, ist die durchführende Airline auch für den anschließenden Flug verantwortlich. Voraussetzung ist dabei, dass Ihr den gesamten Flug innerhalb einer Buchung getätigt habt – ob Ihr mit einer oder mehreren Airlines fliegt, ist dabei egal. Außerdem muss die Airline bzw. der Flug unter die Bestimmungen der EU-Verordnung fallen. Das bedeutet, der Start- oder Zielflughafen muss innerhalb der EU liegen. Liegt nur der Zielflughafen innerhalb der EU, muss die Airline gleichzeitig ihren Sitz in der EU haben. Mit Eurer Forderung nach Ausgleichszahlungen könnt Ihr Euch also an die Airline, die den Zubringerflug durchgeführt hat, wenden. Weitere Infos zum sogenannten Codesharing könnt Ihr in meinem separaten Artikel nachlesen.

Flughafen Schild

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Fluggastrechte einfordern

Seid Ihr mit Flugärger konfrontiert, solltet Ihr Eure Rechte auf jeden Fall einfordern. In erster Instanz empfehle ich Euch, immer direkt mit der Airline in Kontakt zu treten. Zwar schreibt die Fluggastrechteverordnung zweifelsohne vor, dass Fluggesellschaften bei selbstverschuldeten Verspätungen, gecancelten Flügen sowie Über- und Umbuchungen verpflichtet sind, Entschädigungen zu leisten. Jedoch berufen sich Fluggesellschaften häufig auf außergewöhnliche Umstände und verweigern die Zahlung. In solchen Fällen habt Ihr die Möglichkeit, Schlichtungsstellen oder Fluggastrecht-Portale hinzuzuziehen. Diese sogenannte Fluggast-Helfer unterstützen Euch gegen eine Provision bei der Vollziehung Eurer Rechte gegenüber der Airline. Wie und wann Ihr die Hilfe von Fluggastrecht-Portalen am besten in Anspruch nehmen könnt, habe ich Euch in einem extra Artikel zusammengestellt.

Fluggastrechte Formular

Wenn Ihr Euch mit Eurer Beschwerde direkt an eine Fluggesellschaft wenden möchtet, könnt Ihr ganz einfach ein entsprechendes Formular mit Eurer Forderung ausfüllen. Möchtet Ihr eine Beschwerde einreichen, solltet Ihr das EU-Beschwerdeformular nutzen. Dieser Antrag gilt bei gestrichenen oder verspäteten Flügen, Nichtbeförderung und Beförderungen in einer Klasse, die niedriger ist als die gebuchte. Das Formular könnt Ihr bei sämtlichen Airlines wie Lufthansa oder Eurowings einreichen. Zum offiziellen Beschwerdeformular der EU geht es hier.

Zum Beschwerdeformular

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