Welcome on Bord to meinen Erfahrungen mit Klischees beim Bahnfahren!

Ihr habt den nächsten Urlaub, Ausflug oder Städtetrip geplant, wollt als Nicht-Vielfahrer mit der Bahn anreisen und möchtet wissen, auf was Ihr Euch da überhaupt eingelassen habt? Als selbsternannter Bahnfahr-Experte durfte ich in den letzten Jahren schon Zeuge so manch kurioser, interessanter und lustiger Geschichte auf meinen langen Reisen werden. Bevor’s losgeht, solltet Ihr neben Eurem Gepäck auch viel Zeit, Geduld und vor allem Euer stärkstes Nervenkostüm einpacken. Beim Bahnfahren lernt man zwangsläufig die unterschiedlichsten Personen kennen. So ergeben sich schnell Klischees beim Bahnfahren. Für Euch habe ich meine schlimmsten – aber auch einige schöne – Erfahrungen mit den Mitreisenden zusammengefasst und helfe Euch mit einigen Tipps dabei, Euch auf die nächste Fahrt einzustimmen.

Klischees beim Bahnfahren

Foto: ©Natee Meepian / Shutterstock.com

Der Mutti-Stammtisch

Na klar, wer kennt sie nicht? Eines der weit verbreitesten Klischees beim Bahnfahren ist natürlich die wildgewordene und angeheiterte Ü50-Gruppe, die sich benimmt wie damals ihre pubertierenden Töchter, denen sie bei solch einem Verhalten mit erhobenem Zeigefinger gegenübergetreten wären. Nach 1 bis 2 Gläschen Sekt werden alle guten Manieren vergessen und Kegel-Schwester Marianne gackert über alles und jeden. Dabei ist es völlig egal, ob sie sich am Bahnhof noch über den biertrinkenden Studenten aufgeregt haben, n Sektchen geht schließlich immer! Sie suchen sich immer einen Platz in der Nähe der Toiletten, sind zutiefst enttäuscht wenn nicht alle 9 von ihnen nebeneinander sitzen können und falls Ihr mal einen weisen Rat sucht: diese Ladies wissen Bescheid!

Der ahnungslose Schwarzfahrer

Sie stehen oder sitzen nah am Ausgang, jederzeit bereit fluchtartig die Bahn zu verlassen oder urplötzlich aufs stille Örtchen zu verschwinden. Taucht auf einmal aus dem Nichts ein Fahrkarten-Kontrolleur auf, geht es super schnell und dort, wo gerade noch ein nervöser Fahrgast war, ist nun endlich ein freier Sitzplatz für mich. Sollten die ausgereiften Observations-Künste doch einmal versagen und sie werden ganz zufällig ohne gültiges Ticket erwischt, bin ich jedes Mal aufs Neue fasziniert, wie vermeintlich brillant die immer selben Antworten wie „Man hat mir aber gesagt, dass (hier beliebiges Hirngespinst einfügen) …“, „Nix Deutsch“ und „Sonntags muss man auch einen Fahrschein kaufen?“ sind. Zumindest bin ich dann immer froh, dass nicht der Hund das Ticket gefressen hat, oder dass sie neben dem Ticketkauf auch nicht noch ihre unglaubliche Schlagfertigkeit vergessen haben. Bevor Euch also ein fehlender Fahrschein aus der Bahn wirft: immer schön einen kaufen, sonst wird’s teuer!

Der Körperpflege-Nachholer

Erst einmal: Falls jemand – warum auch immer – zu Hause keine Zeit für die tägliche Körperpflege hat, ist die Bahn sicherlich nicht der richtige Ort um eben dies nachzuholen! Die Gründe sind uns allen egal und überhaupt gibt es deutlich bessere Ideen. Man kann es sich kaum vorstellen, aber leider sind die Existenzen von Körperpflege-Nachholern nicht nur unbestätigte Klischees beim Bahnfahren. Allerdings möchte niemand in Deo-Wolken ersticken. Beißend riechende Nagellack-Fläschchen haben in der Bahn erst Recht nichts zu suchen und um einen perfekten Lidstrich während der Fahrt ziehen zu können, muss man sowieso ein echter Profi sein. Auch die Nagelklipser-Fraktion sollte sich lieber ins heimische Badezimmer verkriechen, denn schon bei dem Geräusch des kleinen Helferleins stellen sich auch mir die Zehen-Nägel auf! Hier mein gut gemeinter Rat an alle Körperpflege-Nachholer: Lasst es!

Der Laut-Telefonierer

Nein, ich möchte nicht wissen wie, was und warum du gerade Stress mit deiner Freundin hast. Wir können Dich hier alle hören! Auch wenn einige Telefonate echt interessant sind, gibt es fast nichts nervigeres als diesen lauthals diskutierenden Mitfahrer. Manchmal sind die Geschichten – ob sie nun öffentlich diskutiert werden müssen oder nicht – aber auch echt interessant. Schade, dass man als mehr-oder-weniger-heimlich-Mithörer keine inhaltlichen Verständnisfragen an den Laut-Telefonierer stellen kann. Ich werde also nie erfahren, warum sie wieder einmal genervt von dir ist. Ein bisschen interessiert es mich dann schon. Da diese unüberhörbaren Unterhaltungen aber zumeist eher nervig als wirklich unterhaltsam sind, kauft sich jetzt bitte jeder Laut-Telefonierer ein Hörgerät oder verschiebt die Telefonate auf später.

Der Schnarcher

Es dauert keine 2 Minuten und der gerade eingestiegene Pendler hat nur eine Aufgabe während der gesamten Fahrt: So viel Schlaf nachzuholen wie möglich! Und diese Aufgabe wird auch zur vollsten eigenen Zufriedenheit erfüllt. Er lässt sich von Nichts und Niemandem dabei auch nur ansatzweise stören, sodass es selbst der Fahrkarten-Kontrolleur erst nach 7 Versuchen mit wildem Räuspern und sanftem Stupsen schafft, seine volle Aufmerksamkeit zu erlangen. Genervt zeigt der Schnarcher nach Aufforderung seinen Fahrschein, bevor er sich wieder in seine eigene Welt verabschiedet. Der Wecker ist pünktlich gestellt, die Ausstiegs-Haltestelle wird von einem professionellem Schnarcher natürlich nie verpasst. Weiter so, lieber Schnarcher, die 13 Minuten zusätzlicher Schlaf bringen dich heute mit Sicherheit ganz nach vorn!

Nicht nur Klischees beim Bahnfahren

Neben ein paar Beispielen an Klischees beim Bahnfahren (und sie stimmen wirklich) gibt es natürlich auch viel Positives über das Bahnfahren zu berichten. Nirgendwo sonst treffen so viele unterschiedliche Kulturen und Personengruppen aufeinander, wie an den Bahnhöfen und Flughäfen dieser Welt. Der kleine Junge, der seiner Mutter die Welt hinter der Scheibe durch seine Kinderaugen erklärt, die Mädels auf dem Weg nach Thailand, die in einem Monat mit einem vollen Tagebuch und vielen Erinnerungen zurück kommen, oder die pendelnden Studenten, die kurz vor einer Prüfung noch einmal aufgeregt Zettel-Berge bewältigen (Ihr schafft das!). Beim Bahnfahren lernt man eben auch viele nette und interessante Leute kennen und hört herrliche Geschichten. Führt man einmal ein interessantes Gespräch, scheint selbst die längste Fahrt zu kurz zu sein.

Vielleicht sehen wir uns ja schon auf Eurer nächsten Bahnfahrt. Ich liege barfuß und ohne Ticket laut telefonierend auf mindestens 2 Sitzen. Ihr erkennt mich an meinem perfekten Lidstrich. Bis dahin – Take care and goodbye!