Der Klimawandel ist Realität. Wie extrem die Auswirkungen der Erderwärmung sind, können wir spätestens mit Blick auf schmelzende Polkappen, sterbende Korallenriffe und einem stetig steigenden Wasserspiegel erkennen. Eines ist sicher: Der Klimawandel bedroht unsere Ökosysteme. Wissenschaftler sind sich heute einig, dass die Welt, wie wir sie kennen, in wenigen Jahren nicht mehr existieren wird. Sowohl über als auch unter Wasser wird sich die Erde nachhaltig verändern. Doch aus der ökologischen Misere hat sich ein ganz neuer Reisetrend entwickelt: Last Chance Tourism. Diese Form des Reisens fokussiert sich auf Destinationen, die durch den Klimawandel buchstäblich vom aussterben bedroht sind. Reisende möchten, wie der Begriff bereits nahe legt, ihre „letzte Chance“ nutzen und die aussterbenden Orte besuchen. Welche Reiseziele in den nächsten Jahrzehnten von unserer Bildfläche verschwinden werden und welche Rolle Last Chance Tourism dabei spielt, erfahrt Ihr im Folgenden.

Last Chance Tourism



Aussterbende Orte

Malediven

Das Inselarchipel im Indischen Meer ist für viele der Inbegriff eines Paradies: Türkisblaues Wasser, weiße, pudrig feine Sandstrände und außergewöhnliche Luxus-Resorts mit den typischen maledivischen Wasser-Villen. Doch dem Inseltraum steht das Wasser buchstäblich bis zum Halse. Mit einer maximalen Erhöhung von 2,4 m über dem Meeresspiegel befinden sich die Malediven durch den Meerwasseranstieg, ausgelöst durch die Erderwärmung, in akuter Gefahr. 2016 setzte bereits eine verheerende Korallenbleiche vor den Küsten der Malediven ein, die bis heute sichtbar ist. Sollte der Meersspiegel weiterhin steigen, könnten die Malediven bereits in 100 Jahren nicht mehr bewohnbar sein.

Malediven Insel

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Great Barrier Reef

Das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens ist der größte Organismus der Welt! 1500 Fischarten, 1500 Schwammarten, 5000 Weichtierarten, 800 Arten von Stachelhäutern und über 200 Arten von Wasservögeln sind im und am Great Barrier Reef Zuhause. Leider sind das Great Barrier Reef sowie dessen Bewohner durch die Folgen des Klimawandels sowie der steigenden Umweltverschmutzung durch den Tourismus und der Industrie stark bedroht. 2016 vielen knapp 1/3 der Korallen der einsetzenden Korallenbleiche zum Opfer. Seekühe, die Karettschildkröte oder die pazifische Suppenschildkröte, die das Riff zur Eiablage nutzt, sind vom Aussterben bedroht.

Australien Great Barrier Reef von oben

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Arktis

In wohl kaum ein anderer Region sind die Auswirkungen des Klimawandels so sicht- und spürbar wie in der Arktis. Durch das schmelzende Eis steigen nicht nur weltweit die Meeresspiegel, auch die Menschen und Tiere vor Ort kämpfen um ihr Überleben. Vor allem Eisbären sind von den Folgen des Klimawandels unmittelbar betroffen. Durch das fehlende Packeis, das Eisbären für die Jagd auf Beutetiere benötigen, ist das Überleben der Tiere zur Zerreißprobe geworden. Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass Eisbären sowie Seehunde in der Arktis in den nächsten 10 Jahren ausgestorben sein werden. Auch die hier lebende, indigene Bevölkerung wird ihre Heimat auf lange Sicht gesehen verlassen und umsiedeln müssen.

Spitzbergen Eisbär

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Venedig

Erste Anzeichen dafür, dass auch die Lagunenstadt Venedig vom Klimawandel betroffen ist, sind bereits derzeit spürbar. Das Ertönen der Hochwassersirenen gehört hier mittlerweile zum Alltag. Mehrmals im Jahr wird Venedig vom Hochwasser heim gesucht. Bereits zwischen 2001 und 2011 sank die Stadt zwischen 1 – 2 Millimeter pro Jahr. Und ein Ende, wie lange Zeit erhofft wurde, ist nicht in Sicht. Derzeitigen Berechnungen zu Folge könnte Venedig in knapp 40 Jahren jeden dritten Tag unter Wasser stehen. Seit Jahren tüfteln Ingenieure an Rettungsplänen für die Perle der Adria.

Italien Venedig Gondelfahrten

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Amazonas-Regenwald

Der Amazonas Regenwald leider nicht nur unter der Landwirtschaft, der Abholzung und dem Abbau von Rohstoffen, sondern auch durch die Klimaerwärmung. Bei dem derzeit durchschnittlichen Temperaturanstieg von 2 – 3 Grad Celsius, könnten 60% der heutigen Fläche des Regenwaldes einer trockenen Savanne gleichen.

Thailand Regenwald Luftbild

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Folgen des Last Chance Tourism Trends

Last Chance Tourism bleibt, wie jede Form des Tourismus, nicht ohne Folgen. Der Wunsch, vom aussterben bedrohte Orte zu bereisen und zu entdecken, führt zwangsläufig leider zu umweltschädlichen Verhalten. Flüge, Kreuzfahrten und Massentourismus belasten die ohnehin schon belasteten Regionen zusätzlich. Es ist verständlich, dass der Reiz, die Naturwunder dieser Welt ein mal im Leben zu Gesicht zu bekommen, sehr groß ist. Allerdings muss jeder Einzelne abwägen, welchen Effekt das eigene Verhalten auf den Klimawandel und die Umwelt haben können. Als Protestbewegung zu Massentourismus und der Last Chance Tourism hat sich deshalb der sogenannten Ökotourismus entwickelt, der dem Prinzip des nachhaltigen Reisens folgt.