Kalifornien Wildblumen

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Im Walker Canyon in der kalifornischen Kleinstadt Lake Elsinore herrscht Ausnahmezustand. 100 Kilometer südöstlich von Los Angeles musste am letzen Wochenende aufgrund eines Instagram-Hypes die komplette Stadt für Besucher gesperrt werden. Seit mehreren Wochen wird der 66.000 Einwohner Ort von Touristenmassen überrannt. Auslöser dafür sind die kleinen und auf den ersten Blick unscheinbaren Goldmohn-Blüten, die in diesem Jahr durch die verstärkten Regenfälle in den letzten Wochen besonders prächtig blühen.

Unter #superbloom und #walkercanyon finden sich auf Instagram die Bilder, die einen regelrechten Hype um die Wildblumen ausgelöst und immer mehr Touristen in die Stadt lockten. Zum Höhepunkt kam es am letzten Sonntag, als der Bürgermeister der Stadt, Steve Manos, keinen anderen Ausweg sah, als die komplette Stadt für Besucher zu sperren.

Selfie statt Vorsicht

Vor allem die Social Media Plattform Instagram machten die Menschenmassen auf das wunderschöne Naturschauspiel aufmerksam. Das Problem: Um das perfekte Foto zu schießen, nehmen viele der Besucher keine Rücksicht auf die kleinen Pflanzen – sie werden zertrampelt, herausgerissen und auf die markierten Wanderwege keine Rücksicht mehr genommen. In einem Statement sprach Steve Manos sogar von einer „Mohn-Apokalypse“, die über den Ort hereinbrach. Die Besucherzahlen am Sonntag lagen bei etwa 50.000.

Die Kleinstadt war zeitweise lahmgelegt

Die Stadt konnte dem Ansturm – in der gesamten Zeit der Blüte sind es schon über 150.000 Besucher – schließlich nicht mehr Stand halten. Am Sonntagabend wurde die Stadt schließlich, auch nach einigen unschönen Zwischenfällen, für Touristen gesperrt. Der Bürgermeister erklärte, dass es logistisch nicht möglich gewesen sei, die Besuchermassen sicher abzufertigen. Die Polizei aus den Nachbarorten musste zur Unterstützung gerufen werden. Auch die bereitgestellten Shuttle-Busse konnten keine Abhilfe schaffen. Die Autos der Touristen verstopften die Straßen, sodass die Einwohner nicht mehr zu ihren Häusern kamen. Als es schließlich zu medizinischen Notfall kam, zog der Bürgermeister die Reißleine.

Bürgermeister sucht nach einer Lösung

Seit Montag sind die Straßensperren wieder aufgehoben. Zusammen mit der Stadt arbeitet Bürgermeister Manos an einer sicheren Lösungen. Unter der Woche ist die Lage in Lake Elsinore zwar etwas entspannter, dennoch strömen täglich 20.000 Touristen in die Stadt, um die perfekten Schnappschüsse des Naturschauspiels zu bekommen. In letzter Zeit passiert es immer häufiger, dass bestimmte Regionen, Städte oder sogar Restaurants durch Social Media-Plattformen einen regelrechten Hype erfahren. Destinationen wie Dubrovnik oder Venedig hadern schon sehr lange mit dem sogenannten Overtourism. Mittlerweile setzt sich jedoch eine Gegenbewegung zunehmende durch, der Sanfte Tourismus.