Flughafen Anzeigetafel

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Urlauber können nach der ersten Streik-Welle bei Ryanair in der letzten Woche noch immer nicht aufatmen. Heute Mittag trafen sich Ryanair-Piloten der deutschen Vereinigung Cockpit zu einer Urabstimmung. Das Ergebnis: 96% der Ryanair-Piloten stimmten für einen Streik an den deutschen Basisflughäfen von Ryanair. Betroffen wären demnach beide Flughäfen in Berlin, Düsseldorf, Weeze, Dortmund, Bremen, Hahn, Frankfurt, Hamburg, Karlsruhe, Memmingen, Köln und München. Nachdem in der letzten Woche bereits die Flugbegleiter in Belgien, Italien, Portugal und Spanien gestreikt hatten, könnten nun die Piloten den Flugverkehr in Deutschland von Ryanair zum Stillstand bringen.

Bisherige Tarifverhandlungen scheiterten

Grund für den geplanten Streik seien zuvor gescheiterte Tarifverhandlungen mit Ryanair. Laut der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) seien die zuvor gestarteten Tarifverhandlungen eher schleppend verlaufen und keine Bemühungen seitens der Airline ersichtlich gewesen. Aus diesem Grund brach die Gewerkschaft die Tarifverhandlungen Mitte Juni ab. Nach einem erneuten Anlauf in der vergangenen Woche, in dem sich VC-Präsident Martin Locher mit dem Management zusammensetzte, konnte keine zufriedenstellende Einigung erwirkt werden.

„Zusammenfassend muss man leider feststellen, dass Ryanair weiterhin zu keinen echten Eingeständnissen bereit ist und ernsthafte Verhandlungen, die die Arbeitsbedingungen für uns alle verbessern würden, zu verzögern versucht.“, so die Ryanair-Tarifkommission der VR.

Forderung der Piloten

Konkret fordern die Piloten neben einer besseren Bezahlung auch den Stop des sogenannten Contractor Modells. Etwa die Hälfte aller Piloten müssen über die Gründung einer Ich-AG in die Scheinselbstständigkeit wechseln, um bei Ryanair beschäftigt zu sein. Dies bedeutet für die Piloten nicht nur einen unsicheren Arbeitsplatz, sondern zwinge sie auch zum unzumutbaren „Personal-Ping-Pong“, wodurch die Piloten je nach Bedarf an andere Standorte versetzt werden.

Ryanair scheint bis dato die Anliegen der Piloten-Gewerkschaft nicht Ernst zu nehmen. Nach dem jüngsten Streik in Irland drohte die Airline, die Basis in Dublin zu verkleinern und gleichzeitig den Bedarf an Piloten in Polen zu vergrößern. Ryanair scheint diese Maßnahme aktuell umsetzen zu wollen und 200 Flugbegleiter sowie 100 Piloten nach Polen zu versetzen.

„Wir fordern Ryanair auf, endlich den Geisterfahrerkurs gegen alle Gewerkschaften des Cockpit- und Kabinenpersonals in ganz Europa zu beenden“, so der Tarifvorstand Ingolf Schumacher.

Es bleibt abzuwarten, ob Ryanair nach der heutigen Urabstimmung der VC einlenken, oder, auch zum Schaden der Urlauber, weiterhin blockieren wird.