Das seit über 50 Jahren bestehende Paradies für alle Kiffer soll der Vergangenheit angehören: Die Hauptstadt der Niederlande kündigte vergangenen Freitag an, den Zugang zu Coffeeshops für Touristen künftig untersagen zu wollen. Das würde bedeuten, dass vor allem jüngere Touristen in Zukunft keine THC-Produkte mehr legal in Coffeeshops erwerben können. Steht der Cannabis-Tourismus in Amsterdam nun wirklich vor dem Aus? Darüber muss der Stadtrat entscheiden.

Amsterdam Coffeeshop Schild

Zutritt zu Coffeeshops soll untersagt werden. ©solepsizm/Shutterstock.com

Jeder, der schon einmal in Amsterdam war, kennt es: die Straßen sind voll mit Touristen, die Coffeeshops überfüllt und der Geruch von Cannabis in der ganzen Stadt verteilt. Man passiert auf dem Spaziergang durch die Innenstadt mehrere rot unterlaufene Augen, während man aufpasst, nicht über die Füße anderer zu stolpern. Zugegeben, der Overtourism ist ein gravierendes Problem in Amsterdam. Ungefähr 18 Millionen Touristen zählt die Stadt, in der circa eine Million Bürger leben. Tendenz steigend!

Amsterdam will weg vom Massentourismus & Drogen-Image

„Wir wollen wieder mehr Kultur- und weniger Drogentouristen“, sagte Bürgermeisterin Femke Halsema. Viele der Touristen kämen nur nach Amsterdam, um betrunken und stoned rumzulaufen. Und damit hat sie nicht Unrecht: Aus einer Studie geht hervor, dass die tolerante Drogenpolitik Amsterdams für 57 Prozent der Befragten der Grund für einen Städtetrip nach Amsterdam ist. Demnach gaben 34 Prozent an, weniger oft nach Amsterdam zu kommen, wenn sie keine Coffeeshops besuchen könnten, 11 Prozent gestanden, dass sie sogar nie wieder kommen würden.

Dass diese Zahlen der Bürgermeisterin im Kampf gegen den Overtourism Hoffnung machen, ist nachvollziehbar. So könnte sie die Touristenmassen der Altersgruppe zwischen 19 und 35 leichter regulieren und Besucherströme besser leiten – das ist zumindest die Idee dahinter. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass Cannabis-Konsumenten meist auch auf illegalem Wege an THC-Produkte kommen, was organisierte Bandenkriminalität sowie den illegalen Verkauf von Gras und Haschisch wieder ankurbeln könnte. Schließlich gab jeder Fünfte der Umfrage an, andere Mittel und Wege zu finden, um an Marihuana heranzukommen wie beispielsweise einen Einheimischen um den Erwerb des Rauschmittels zu bitten.

Coffeeshops werden immer weniger

Noch wirft ein Verbot von Cannabis weitere Fragen und Probleme auf und bisher ist noch nichts gesetzlich festgelegt. Klar ist aber, dass die Anzahl der Coffeeshops tendenziell sinkt. Während vor 20 Jahren noch über 280 Coffeeshops die Hauptstadt der Niederlande schmückten, sind es heutzutage noch gerade einmal 166. Die Verwaltungsbehörden rechneten nun aus, dass bei einem Zugangsverbot für Touristen 70 Cannabis-Shops ausreichen würden, um die Gelüste der einheimischen Kiffer zu stillen.

Obwohl sich Staatsanwaltschaft, Polizei und Bürgermeisterin Femke Halsema für ein Touristen-Verbot in Coffeeshops aussprechen, muss der Stadtrat zuerst zustimmen, bevor die Maßnahmen in Kraft treten. Es bleibt also spannend, ob und wann die Pläne letztendlich umgesetzt werden.

Verbot der Rotlicht-Führungen als andere Maßnahme

Eine ganz andere Baustelle befindet sich in Amsterdams Rotlichtbezirk: Mehr als 115 Touren führen täglich vorbei an den Schaufenstern verschiedener Sexarbeiterinnen, die von einigen Touristen fotografiert und respektlos behandelt werden. Um Sexarbeiterinnen nicht mehr als Touristenattraktion abzufertigen, wurden diese Touren ab April 2020 verboten. Führungen durch das Rotlichtviertel Amsterdams sind zwar weithin erlaubt, doch sie müssen sich zukünftig von den Fenstern fernhalten. Außerdem darf die Größe von geführten Gruppen die maximale Zahl von 15 Personen nicht überschreiten. Damit sollen auch die Anwohner und dort ansässigen Unternehmen weniger gestört werden.

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