Deutschland kommt beim Ausbau des geplanten europäischen Bahnnetzes einfach nicht voran. Das mit zahlreichen Nachbarländern gemeinsam geplante Projekt wird von deutscher Seite aus wohl erst im Jahr 2041 fertig werden. In zwei anderen Staaten sieht die Lage dagegen komplett anders aus, wie die WELT berichtet.

Zug Bahnhof
Das Projekt zieht sich in die Länge. ©zhu difeng/Shutterstock.com

Der „TransEuropExpress 2.0“ (TEE) soll die Zukunft des europäischen Bahnnetzes sein und die Metropolen des Kontinents verbinden.

Die Umsetzung des Bahn-Projekts, welches im September 2020 von Verkehrsminister Andreas Scheuer vorgestellt wurde, wird aber viel länger dauern als ursprünglich angenommen.

Wie der bahnpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, Matthias Gastel, auf Anfrage von WELT AM SONNTAG bekannt gab, ist das Ergebnis der bisherigen Arbeit ernüchternd. Abschnitte des deutschen Teils werden wohl erst Jahrzehnte nach denen der Nachbarländer fertig.

Schweiz Zermatt Morgens Lichter
Die Schweizer haben ihre Bauarbeiten bereits 2020 abgeschlossen. ©martinho Smart/Shutterstock.com

Deutschland erst 2041 fertig

An der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) wird die Verspätung von Deutschland besonders deutlich. Schon 1996 schloss das Bundesverkehrsministerium eine Vereinbarung mit der Schweiz. Diese sieht einen Ausbau der sogenannten Zulaufstrecken vor.

Die Schweiz hat ihren Teil der Bauarbeiten bereits im Dezember 2020 abgeschlossen, als der Ceneri-Basistunnels eröffnet wurde.

Auf deutscher Seite sieht dies aber anders aus. Der Zeitpunkt der kompletten Fertigstellung in Deutschland wird auf das Jahr 2041 terminiert. Dies wäre genau 21 Jahre später als das Projektende der Schweizer.

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Deutschland hinkt bei vielen Bahnprojekten hinterher. ©Nick Fox/Shutterstock.com

Deutschland ist „Nachzügler“

„Beim Bahnausbau ist die Bundesregierung kein Musterschüler, sondern Nachzügler“, so der bahnpolitische Sprecher Gastel. „Damit werden wir unserer zentralen Rolle als Verkehrsdrehscheibe im Herzen Europas nicht gerecht.“

Dass Deutschland beim Ausbau verschiedener Projekte hinterherhinkt, ist leider kein Einzelfall: Mit den Niederlanden wurde vor langer Zeit vereinbart, die Strecke von Oberhausen zur holländischen Grenze auszubauen. Während die Holländer bereits zwischen 1998 und 2007 an ihrem Teil des Projekts arbeiteten, sind die deutschen Bemühungen noch in vollem Gange.

Rückstand sei „blamabel“

Laut Gastel würde heute erst für fünf der zwölf Abschnitte der Planfeststellungsbeschluss vorliegen. Vor dem Jahr 2028 wird das Projekt nicht abgeschlossen sein. Ähnlich sieht die Lage bei anderen deutschen Projekten mit Nachbarländern wie Frankreich, Tschechien und Polen aus.

Wenn es nach Gastel geht, kann es so nicht weitergehen. Der Rückstand gegenüber unseren Nachbarländern sei „blamabel“ und verantwortungslos. Es müsse mehr Geld zur Verfügung gestellt und die Planung endlich beschleunigt werden. Ob sich der teilweise jahrzehntelange Rückstand dadurch aufholen lässt?

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