Die französische Nationalversammlung stimmt für das Verbot von ausgewählten Kurzstreckenflügen im Inland. Der Gesetzesentwurf der französischen Regierung soll den Zugverkehr im Land fördern und den Klimazielen der Umweltpolitik entsprechen.

Lufthansa Timepass
Reicht der Nutzen für den Klimaschutz? ©tratong/Shutterstock.com

Über die Notwendigkeit von Kurzstreckenflügen wird schon seit einigen Jahren stark diskutiert. Frankreich setzt nun als erstes europäisches Land ein Zeichen und erlässt in einem Gesetzesentwurf ein Verbot für nationale Flugrouten, die alternativ auch mit einer Zugfahrt von höchstens 2,5 Stunden mit einem TGV-Höchstgeschwindigkeitszug erreichbar sind.

Klimaschutz steht im Fokus

Der Gesetzesentwurf zum Klimaschutz entstand durch Vorschläge aus dem Bürgerkonvent im letzten Jahr. Ein solches Gesetz ist aber bereits seit Beginn des letzten Jahres geplant gewesen und orientiert sich an den Klimaschutzzielen der französischen Umweltpolitik: Eines dieser Ziele ist es bis 2030 die Kohlendioxid-Emissionen um 40 Prozent zu reduzieren.

Außerdem soll durch diesen Beschluss der Schienenverkehr, welcher in Frankreich durch zahlreiche Hochgeschwindigkeitszüge ausgebaut ist, gefördert werden.

Kurzstreckenflüge in Frankreich sind bereits teurer, was das Fliegen im Inland weniger attraktiv machen soll. Für die französische Regierung reicht das jedoch nicht aus. Eine Bedingung der Klimapolitik in Bezug auf staatliche Beihilfen ist ein Verbot von kurzen Inlandsflügen.

In Zukunft darf Air France keine rein inländischen Flüge mehr anbieten, wenn die Passagiere Ihr Ziel innerhalb von 2,5 Stunden mit dem Zug erreichen können. Eine solche Forderung an die Airline war Teil der staatlichen Milliardenhilfen für das Luftfahrtunternehmen.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass Air France alle betroffenen Inlandsflüge einstellen muss: Nur Passagiere mit einer Route innerhalb Frankreichs, die als Anschluss- oder Transitflug dienen, können künftig auf bestimmten kurzen Routen reisen.

In Zukunft soll die Maßnahme auch für andere Airlines innerhalb Frankreichs, wie zum Beispiel Billigfluglinien, gelten.

Bahnhof Frau Zug
Das Fernbahnnetz in Frankreich bietet schnelle Verbindungen an. ©S-F/Shutterstock.com

Kritik am Verbot

Das neue Gesetz verbietet Inlandsflüge nur teilweise, denn Passagiere, die auf einen anderen längeren Flug umsteigen, können auf Kurzstreckenflügen weiterhin befördert werden. Damit soll die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Fluggesellschaften sichergestellt werden, da befürchtet wird, dass Passagiere sonst zu anderen europäischen Drehkreuzen fliegen und dort umsteigen.

Zu Beginn plädierte der französische Präsident Emmanuel Macron für ein Verbot von Inlandsflügen, welche mit einer Reisedauer von vier Stunden mit dem Zug durchgeführt werden können. Durch diesen Vorschlag wären viel mehr Strecken betroffen gewesen als mit der jetzigen 2,5-Stunden-Regelung.

Betroffen sind nun nur fünf von den 108 Flugrouten in Frankreich:

  • Lyon – Marseille
  • Paris Orly – Bordeaux
  • Paris Orly – Lyon
  • Paris Orly – Nantes
  • Paris Orly – Rennes

Eine Umsetzung soll zügig vonstatten gehen. Flüge von Paris nach Bordeaux, Lyon oder Nantes sollen bereits ab Sommer 2021 eingestampft werden.

Frankreich Paris Eiffelturm
Reisen in Frankreich geht künftig umweltbewusster. ©cge2010/Shutterstock.com

Fazit

Viele Politiker in Frankreich kritisieren den neuen Gesetzesentwurf – in beide Richtungen. Einige befürchten weitere Arbeitsplatzverluste in der Branche, die bereits stark unter den Auswirkungen der Corona Pandemie leidet.

Andere wiederum kritisierten die Tatsache, dass die Schwelle bei einer Fahrzeit von 2,5 Stunden zu niedrig ist. Es wird gefordert die Reisezeit auf vier Fahrstunden zu erhöhen. Dies hätte zur Folge, dass die besonders klimaschädlichen Routen zwischen Paris-Nizza, Paris-Toulouse und Paris-Marseille wegfallen würden. Auch der Bürgerkonvent wollte stärkere Einschränkungen.

Der Gesetzesentwurf liegt zwar nun vor, jedoch ist es möglich, dass die endgültigen Details nochmal angepasst werden.

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