Schluss mit Eimer-Saufen: Mallorca hat endgültig beschlossen, die berüchtigte Party-Region in der Hauptstadt in ein exklusives Erlebniszentrum umzuwandeln. Die Corona-Krise hat die Ministerpräsidentin zum Nachdenken angeregt. Das Image der beliebten Balearen-Insel soll künftig mit strikten Maßnahmen aufgebessert werden.

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Das Party-Paradies Mallorca wird ernst. ©Balate Dorin/Shutterstock.com

Nachdem das Robert Koch-Institut (RKI) die Balearen vor einigen Wochen von der Liste der Risikogebiete gestrichen hatte, gingen auf Mallorca zahlreiche Buchungen ein. Damit haben Reiseveranstalter zwar gerechnet, doch das Ausmaß an Party-Exzessen ist enorm.

Die ersten ausländischen Besucher trafen in den letzten Wochen ein und sorgten für Tumulte auf der Insel. Zudem wurde gestern die Maskenpflicht an den Stränden Mallorcas aufgehoben – Politiker befürchten nun, dass die Feiern noch weiter eskalieren könnten.

Mallorcas Ministerpräsidentin Francina Armengol meldete sich deshalb heute Morgen bei einer Pressekonferenz zu Wort. Dabei berichtete sie, dass die für Partys bekannte Urlaubsinsel ein für alle Mal den Party-Stecker zieht.

„Ich kann das nicht mehr verantworten. Mallorca ist mehr als nur saufen und Partys“, so Armengol. Die Pläne, aus dem Ballermann einen neuen aristokratischen Erlebnisort zu machen, laufen schon seit einigen Tagen. Demnächst sollen die ersten Hotels abgerissen werden.

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„Unsere alkoholfreie Natur wird komplett vernachlässigt“, so Francina Armengol. ©Olaf Speier/shutterstock.com

Spannende Attraktionen des neuen Erlebniszentrums

Aus dem Ballermann soll mit neuen Attraktionen und strengeren Regeln ein ruhiges Zentrum für kultivierte Urlauber werden, die Mallorca aus Angst vor Party-Tigern nie erkunden konnten.

Armengol zufolge plant das ehemalige Saufparadies aus dem Hotel Broma de April – einer der größten Hotelanlagen in Palma – einen riesigen Golfplatz zu machen. Einlasskontrollen sollen gewährleisten, dass anstehende Besucher auch ein bestimmtes Maß an Integrität besitzen. Den Namen des Hotels darf der Golfplatz behalten. Eine Squash-Sportanlage soll angeschlossen werden.

Modernes Einkaufszentrum ergänzt das frische Erlebnis

Ein brandneues, seniorengerechtes Einkaufszentrum namens „Cerveza Enlatada“ ist auch in Planung. Die beliebtesten sowie modernsten Marken sollen hier ihren Platz finden.

Beispielsweise bekommt die luxuriöse Modemarke Camp David ein komplettes Stockwerk für sich, um die schicken bunt bedruckten Polo-Shirts und Umhänge-Pullover ausreichend anbieten zu können.

Genauso bemühen sich die ersten Sandalen-Hersteller um Ladenlokale. Geplant ist Tennissocken-Shops und Sandalen-Hersteller gleich auf einer Etage zu vereinen.

Der neue Manager des Einkaufzentrums freut sich über den Mallorca-Wandel: „Die Umstrukturierung ist super durchdacht und macht Sinn. Das Einkaufszentrum dürfte nach wenigen Wochen die Kosten eingespielt haben, da sich mit der Kundschaft gutes Geld machen lässt.“

Und er geht noch weiter: „Wir überlegen derzeit, ob wir für das Shoppingerlebnis ein Mindestalter von 45 Jahren ansetzen.“

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Saufen ist Geschichte, Golfen wird das neue Markenzeichen Mallorcas. ©i am way/Shutterstock.com

Vino & Autos statt Bier & Bewusstlos

Ebenso soll der Ballermann in der Insel-Hauptstadt zu einem Reiseziel für niveauvolle Weinkenner werden. Dementsprechend möchte Armengol künftig den Verkauf von Bier und Cocktails stoppen, stattdessen ausschließlich Wein anbieten. Mit dem Spruch „Zu Vino sag ich nie No“ stellt sie sich gegen das bloße „Eimer-Saufen“ vieler Urlauber.

Das ist aber noch nicht alles: Touristen am Ballermann können sich bald auf große Ausstellungsräume deutscher Automobilhersteller freuen. In diesen Showrooms hätten Rentner demnach die Chance, die neuesten Fahrzeuge aus den 2000er-Jahren zu entdecken. Probefahrten entlang der Ballermann-Strandpromenaden sollen ebenfalls Teil des Konzepts werden.

Schock für Mallorca-Fans

Bereits im vergangenen Jahr setzte Armengol aufgrund der Corona-Krise harte Einschränkungen für Party-Urlauber durch. Zusätzlich ergab sich im Januar diesen Jahres auf der Balearen-Insel ein Alkoholverbot, an das sich Touristen halten mussten.

Mit diesem Schritt stellt sich die Ministerpräsidentin jedoch endgültig gegen die herrschende Partykultur der Insel-Hauptstadt. Urlauber zeigen sich entsetzt über die neuen Regeln.

„Wir sind hier nicht in einer Diktatur. Außerdem hasse ich Golf. Nächstes Mal bleibe ich zuhause, da ist das Bier wenigstens gut“, entgegnete heute Mittag ein deutscher Mallorca-Urlauber am Ballermann beim Austrinken seiner dritten Bierflasche.

Der April, April führt die dynamische Corona-Thematik fort und beweist, wie viel die Krise auf der ganzen Welt tatsächlich verändert.

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