Pauschalreiserecht

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Ab dem 1. Juli 2018 wird ein neues Reiserecht in Kraft treten. Genau genommen handelt es sich um eine Aktualisierung und Erweiterung der 2015 verabschiedeten Pauschalreiserichtlinie. Ziel der im Amtsblatt der EU verkündeten Richtlinie ist die Stärkung des Verbraucherschutzes und das Schließen von Gesetzeslücken im Rahmen gebuchter Reiseleistungen bei Reiseveranstaltern, im Reisebüro sowie im Internet. Was genau sich für Reisende ändert, habe ich hier in Kürze zusammengefasst.

Änderungen im Pauschalreiserecht



Reisemängel reklamieren

In Zukunft können Reisende Reisemängel wie Ungeziefer, Schimmel und einen verschmutzten Pool 2 Jahre nach dem vertraglich vorgesehenen Reiseende gegenüber dem Veranstalter geltend machen. Damit haben Reisende zukünftig ein Jahr länger Zeit. Wichtig: Voraussetzung ist nach wie vor, dass etwaige Mängel bereits während der Reise beim Veranstalter gemeldet werden, damit dieser die Möglichkeit hat, diese gegebenenfalls zu beheben. Wenn laut ABG des Reiseveranstalters eine andere Frist gilt, ist diese nicht mehr zulässig. Anders verhält es sich bei der Buchung von Ferienhäusern und -wohungen über einen Reiseveranstalter. In der Vergangenheit musste dieser für etwaige Mängel haften. Mit dem neuen Pauschalreiserecht können sich die Reiseveranstalter zukünftig auf das geltende Recht im jeweiligen Land berufen und dies auch so in der AGB aufnehmen.

Rücktransport

Der Reiseveranstalter muss seiner Beistandspflicht nachkommen, wenn Reisende aufgrund von Unwettern oder Naturkatastrophen nicht planmäßig nach Hause fliegen können, da der Flugraum aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde. In diesem Fall muss der Veranstalter einen späteren Rücktransport zur Verfügung stellen sowie für maximal drei Nächte eine Unterkunft zur Verfügung stellen, die der gebuchten Unterkunft gleichwertig ist.

Nachträgliche Erhöhung des Reisepreises

Reiseveranstalter dürfen zukünftig bis 20 Tage vor Reisebeginn den Preis einer bereits gebuchten Pauschalreise nachträglich um 8% erhöhen. Was viele verwundern mag: Tatsächlich war bisher eine nachträgliche Erhöhung um 5% möglich. Jedoch konnten Urlauber bisher bei Preiserhöhungen über 5% kostenlos von der Reise zurück treten. Durch das neue Pauschalreiserecht ist der Rücktritt von der Reise nun erst ab einer Preiserhöhung über 8% möglich. Die Preiserhöhung muss seitens des Reiseveranstalters jedoch nachgewiesen werden können. Im Zweifelsfall lohnt es sich also, nochmals genau nachzuforschen.

Kostenloser Reiserücktritt

Ein kostenfreier Reiserücktritt von der gebuchten Pauschalreise war bisher nur möglich, wenn „höhere Gewalt“ vorlag. Darunter fallen unvorhersehbare und ungewöhnliche Ereignisse, auf die der Reisende keinen Einfluss hat, und die die Reise erschweren oder beeinträchtigen können oder ein Sicherheitsrisiko für den Reisenden darstellen. Solche Ereignisse sind beispielsweise ein Vulkanausbruch, Krieg, politische Unruhen oder andere Naturkatastrophen. Ausschlaggebend für die Bewertung eines Ereignisses sind die Informationen des Auswärtigen Amtes. Warnt dieses kurzfristig vor Antritt vor Reisen in eine Urlaubsregion, kann die Reise kostenlos storniert werden. Für Reisen, die ab dem 1.7.2018 gebucht werden, gilt ein erweiterter Rahmen: Reisende können in Zukunft ihre Pauschalreise aufgrund von „unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen“ am Urlaubsort kostenlos stornieren, wenn diese die Durchführung der Reise oder die Beförderung der Personen erheblich erschweren. Unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände liegen dann vor, wenn der Reisende keine Kontrolle darüber hat und die Folgen unvermeidbar sind. Darunter fallen beispielsweise terroristische Anschläge oder Naturkatastrophen.

Verbundene Reiseleistungen

Reisebüros konnten in der Vergangenheit zwei Arten von Reisen anbieten und verkaufen: Pauschalreisen und Einzelleistungen. Mit dem Inkrafttreten des Pauschalreiserechts kommt eine weitere Kategorie hinzu: Die „verbundenen Reiseleistungen“. Es handelt sich bei verbundenen Reiseleistungen um ein Angebot seitens des Reisebüros, bei dem den Kunden mindestens zwei unterschiedliche Leistungen zum Zweck derselben Reise verkauft werden, wie beispielsweise eine Kombination aus Flug und Mietwagen. In diesem Fall agiert das Reisebüro nicht mehr nur als Reisevermittler, sondern wird selbst zum Reiseveranstalter und muss eine eigene Insolvenzabsicherung vorlegen. Zudem müssen Reisende vom Reisebüro in einem Formblatt darüber informiert werden, ob sie eine Pauschalreise mit entsprechendem Schutz oder eine verbundene Reiseleistung gebucht haben. Kommt es dabei zu Fehlern, kann das Reisebüro wie ein Reiseveranstalter nach Pauschalreiserecht haften müssen.

Bitte beachtet, dass dies keine Rechtsberatung darstellt oder diese im Falle eines Rechtsstreites ersetzen kann. Im Falle eines Rechtsstreites müsst Ihr Euch auf jeden Fall rechtlich beraten lassen.