Nachdem die Insel Boracay auf den Philippinen für sechs Monate gesperrt war, um die Abwasser- und Abfallsysteme der Insel zu verbessern, steht nun die langersehnte Wiedereröffnung vor der Türe. Ende April ordnete der philippinische Präsident Rodrigo Duterte die Schließung der Insel an, nachdem er sie in der Öffentlichkeit als „Kloake“ bezeichnete. Dabei wurde die Insel 2017 vom Reisemagazin „Condé Nast Traveler“ noch als „schönste Insel der Welt“ ausgezeichnet. Am 26. Oktober soll es nun wieder soweit sein und die philippinische Insel Boracay soll wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ob die Umweltschutzmaßnahmen bis dahin vollständig abschlossen sein werden, ist aktuell allerdings noch zu bezweifeln.

Philippinen Boracay Wiedereröffnung

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Gründe für die Zwangsschließung

In den 1980er Jahren galt Boracay noch als Geheimtipp unter den Backpackern. Nahezu unberührte, paradiesische Natur und authentische Bambus-Hütten lockten jedes Jahr nach und nach mehr Menschen an. Es hat keine 30 Jahre gedauert bis der Tourismus auf Boracay richtig boomte. Bis vor der Schließung haben 4.500 Hotels, Gaststätten und sonstige touristische Einrichtungen für einen schönen Aufenthalt auf der Insel gesorgt. Doch die ungenügenden Umweltschutzsysteme der Insel konnten den Touristenmassen nicht mehr Stand halten. Für ein durchdachtes Kanalisationssystem, ein umweltbewusstes Abfallmanagement und eine sinnvolle Verkehrsinfrastruktur war während dieser kurzen Phase des Ansturms keine Zeit.

Das Resultat: Fäkalien wurden direkt ins Meer geleitet, der Müll häufte sich an der Küste und am Straßenrand und einige Gebäude wurden viel zu nah am Meeresufer illegal hochgezogen. Laut des philippinische Präsidenten Duterte war es Anfang des Jahres nun allerhöchste Zeit, dem ein Ende zu bereiten, um die Insel auch für nachfolgende Generationen zu einem attraktiven Reiseziel zu machen. Die sechs Monate Zwangsschließung sollten dafür genutzt werden, ein funktionierendes Abwasser- und Abfallsystem zu errichten sowie illegale Gebäude abzureißen. Je näher die Wiedereröffnung kommt, desto größer werden die Zweifel, denn die Instandhaltungsarbeiten sind längst noch nicht abgeschlossen.

Bereit für die Wiedereröffnung?

Nachdem die Schließung der Insel verkündet wurde, fürchteten viele Einheimische um Ihre Existenz. Für einige Bewohner ist der Tourismus die einzige Einnahmequelle, sodass sie gezwungen waren, die Insel zum Teil zu verlassen. Zwar hatte die Regierung 40 Millionen Euro Finanzhilfen für die Einheimischen versprochen, doch bisher ist noch unklar, wie das Geld verteilt wird. Aufgrund mehrerer Unklarheiten und mangelnder Finanzierungshilfen gingen die Instandhaltungsarbeiten auf der Insel nur schleppend voran. Bis Ende Oktober ist noch einiges zu tun und es ist fragwürdig, ob die Insel anschließend wirklich „sauber“ sein wird.

Die Hotels dürfen erst wiedereröffnen, wenn Umweltschutz-Auflagen erfüllt werden. Derzeit trifft dies lediglich auf ein Drittel der Hotels zu, die somit zu einer gesetzeskonformen Wiedereröffnung bereit wären. Ob die restlichen zwei Drittel die Anforderungen in den nächsten zwei Monaten bewerkstelligen, ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Eine Verschiebung der Frist ist laut der Boracay Foundation ausgeschlossen. Bis zur offiziellen Wiedereröffnung ist also noch einiges zu tun.