Es gibt sie tatsächlich: Die verlassenen, sagenumwobenen Geisterstädte, die heute nur noch ein wages Zeugnis ihrer einstigen Blütezeit darstellen. Diese längst ausgestorbenen Orte sind überall auf der Welt zu finden und versprühen eine faszinierende Atmosphäre, von der sich viele Besucher gerne in den Bann ziehen lassen. In ihren alten Gemäuern sind oft Jahre oder gar Jahrhunderte voller Geschichte und Vergangenheit verankert. Nicht umsonst dienen die Geisterstädte häufig als Kulisse bekannter Filmproduktionen. Vor allem Fans von Geister- und Spukgeschichten zieht es an die einsamen Orte, aber auch Historiker und Wissenschaftler können hier Nachforschungen zu längst vergangenen Zeiten nachgehen. Ihr möchtet Euch selbst einen Eindruck dieser historischen Stätten machen? Dann habe ich in diesem Artikel einige geschichtsträchtige Orte aufgelistet, die Ihr Eurer Bucket List hinzufügen könnt. Hier bekommt Ihr nicht nur Auskunft zum gegenwärtigen Zustand der Orte, sondern erfahrt auch interessante Informationen zu historischen Hintergründen der heutigen Geisterstädte. Da viele Ruinen einsturzgefährdet sind, rate ich Euch allerdings, Euch vorab gut zu informieren und Euch gegebenenfalls den geführten Touren, die in einigen verlassenen Orten angeboten werden, anzuschließen. Denn generell gilt: Betreten auf eigene Gefahr!

Geisterstädte weltweit



Craco

In Italien, genauer gesagt an einem Berghang in der Region Basilika, findet Ihr eine der wohl beeindruckendsten und berühmtesten Geisterstädte des Landes. In Craco zeugen nur noch die verlassenen Häuser vom Leben, das in den Straßen der Stadt einmal geherrscht haben muss. Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück. Bereits im Jahr 1060 gab es zum ersten Mal einen Hinweis auf den Namen der Stadt. Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche prächtige Gebäude, von denen Ihr heute zumeist nur noch die verlassenen Ruinen besichtigen könnt. Mit dem Bau des Klosters im Jahr 1630 wurde beispielsweise ein Mönchsorden gegründet. Außerdem wurden vier opulente Palazzi errichtet. Der anhaltende Verfall der Stadt ist der Gewalt der Natur geschuldet. Mit den andauernden Erdrutschen in den 1960 er Jahren mussten zahlreiche Bewohner ihr Heimatdorf verlassen. Zwischen 1963 und 1975 siedelten die meisten Einwohner in das am Fuße des Berges neu errichtete Dorf Craco Peschiera und die Einwohnerzahl fiel von 2000 auf 700 Menschen ab. Die Erdrutsche entstanden übrigens durch die Bauarbeiten am Abwasser- und Kanalisationssystem. Auch im italienischen Sprachgebrauch wird die Stadt heute als Geisterstadt, als città fantamsa, bezeichnet. Die faszinierende Atmosphäre der Siedlung wurde im Übrigen Schauplatz zahlreicher Filmproduktionen. Zu den berühmtesten unter ihnen zählt wohl der Mel Gibson-Film Die Passion Christi. Da große Teile der Stadt stark zerfallen sind, ist es nicht möglich die Ruinen selbst zu erkunden. Deshalb empfehle ich Euch, Euch vorab über die regelmäßig stattfindenden Führungen und Eintrittspreise zu informieren.

Italien Craco Geisterstadt

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Prypjat

Das Zeugnis einer Katastrophe ist die verlassene Siedlung Prypjat in der Ukraine. Die Stadt, die am gleichnamigen Fluss liegt, befindet sich nur rund 4 Kilometer vom ehemaligen Atomkraftwerk Tschernobyl entfernt und ist damit die am nächsten gelegene Siedlung. Gegründet wurde die Anlage im Jahr 1970 als Wohnstätte für die Arbeitnehmer, die in Tschernobyl angestellt waren. 16 Jahre später mussten die Wohnungen im Zuge der Nuklearkatastrophe geräumt werden. Insgesamt nimmt die Fläche der Stadt etwa 600 Hektar ein, worauf ungefähr 13 500 Wohnungen angesiedelt sind. Nach der Katastrophe im Atomkraftwerk im Jahr 1986 wurde die Stadt aufgrund der ausgetretenen Strahlung unbewohnbar. Da ein Großteil der Straßen immer noch kontaminiert ist, stehen die Häuser bis heute leer. Über die bevorstehende Räumung im Zuge des Reaktorunglücks wurde die Bevölkerung erst viele Stunden später und informiert und ließen so einen Großteil Ihres Hab und Gutes zurück. Da die meisten Einwohner davon ausgingen, nach kurzer Zeit wieder in ihre Häuser zurückkehren können, stehen viele Gebäude noch in ihrem ursprünglichen Zustand an Ort und Stelle. Heute ist es möglich, die Ruinen zu besichtigen. Da die Hauptstraßen der Siedlung dekontaminiert wurden, könnt Ihr zumindest einen Teil des Gebietes im Rahmen geführter Touren begehen. Aufgrund der anhaltenden radioaktiven Strahlen solltet Ihr es jedoch dringend vermeiden, die Siedlung auf eigene Faust zu erkunden.

Geisterstadt Ukraine Prypjat

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Kolmannskuppe

Seid Ihr auf einer Rundreise durch das südliche Afrika, empfehle ich Euch, einen Halt in Kolmannskuppe zu machen. Bei dieser Geisterstadt handelt es sich um eine Siedlung in Namibia, die rund 15 Kilometer entfernt von der Hafenstadt Lüderitz liegt. Ihren Ursprung hatte die Siedlung im Handel mit Diamanten. Im Jahr 1908 fanden die beiden Eisenbahnmitarbeiter August Stauch und Zacharias Lewala den ersten wertvollen Edelstein. Mit dieser Entdeckung wuchs die Wirtschaft in der Region und aus dem einstigen Camp für Arbeiter wurde eine Siedlung mit prächtigen Gebäuden. Gleichzeitig kam auch der Reichtum in die neu entstandene Stadt. Die bald 400 Einwohner orientierten sich stark an der deutschen Architektur und so findet Ihr auch heute noch Steinhäuser, die stark an die damaligen europäischen Normen angelehnt waren. Zusätzlich entstand in der einst trostlosen Gegend eine richtige Infrastruktur mit Verwaltungsgebäuden, Lebensmittelläden, einem Theater, einer Schule und sogar einer Kegelbahn sowie einem Schwimmbad. In dieser Blütezeit gehörte die Stadt aufgrund des anhaltenden Diamanthandels also zu den prächtigsten des Landes. Ihr fragt Euch, wie Kolmannskuppe dann überhaupt zu einer Geisterstätte werden konnte? Mit der Zeit neigte sich der Diamantvorrat dem Ende zu und so verlagerte sich der Abbau und auch der Handel in die andere Regionen. Im Jahr 1930 erklärte man den Abbau des edlen Gesteins letztendlich für beendet und so brachen die Einwohner nach und nach ihre Zelte ab. Zurück geblieben sind die einst prächtigen Gebäude, deren zerfallene Ruinen Ihr teilweise noch heute bestaunen könnt. Wie Ihr euch vielleicht denken könnt, ist es nicht einfach, die Gebäude zu erhalten da Sand und Wind ihr Übriges tun. Einige der Gebäude wurden originalgetreu wieder hergestellt, aufgrund der enormen Sandmassen sieht die Landschaft aber bei jedem Besuch anders aus. Solltet Ihr also in Lüderitz sein, empfehle ich Euch, die alten Ruinen entweder auf eigene Faust oder im Rahmen einer Führung besichtigen.

Geisterstadt Südafrika Kolmannskuppe

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Hashima

Eine besonders faszinierende Geisterstatätte ist die Insel Hashima, die umgangssprachlich auch Kriegsschiff-Insel genannt wird. Die Insel, die 3 Kilometer entfernt von Takashima vor der japanischen Küste liegt und aufgrund Ihrer Form an ein gewaltiges Kriegsschiff erinnert, hat eine Gesamtfläche von 6,3 Hektarn. Dabei ist sie 160 Meter breit, 480 Meter lang und hat einen Umfang von 1,2 Kilometern. Ursprünglich wurde Hashima gebaut, um Kohleabbau betreiben zu können. Mehrere Tausend Arbeiter hausten hier auf engstem Raum. Um die wenige Fläche möglichst effizient nutzen zu können, entstanden etliche Hochhäuser aus Beton. Im Zweiten Weltkrieg kamen hier zahlreiche Zwangsarbeiter ums Leben, die anstelle der eigentlichen Belegschaft hart ackern mussten. Nachdem der Kohleabbau zunehmend an Bedeutung verlor und Erdöl als Kraftstoff immer häufiger genutzt wurde, wurde im Jahr 1974 dann die Stillegung der Werke angeordnet. Daraufhin verließen die meisten Bewohner die Insel umgehend. Da der Transport der sich angesammelten Gegenstände über das Wasser nicht gerade einfach war, wurden viele Maschinen aber auch persönliches Hab und Gut zurückgelassen. Lange Zeit konnten Touristen die Insel nur vom Wasser aus betrachten. Mittlerweile ist es allerdings auch möglich, Hashima über gesicherte Wege zu erkunden. Hier gilt jedoch nachdrücklich: Betreten auf eigene Gefahr! Da die meisten Häuser einsturzgefährdet sind, rate ich Euch, diese Wege nicht zu verlassen. Die Kriegsschiffinsel war übrigens Vorbild für die Kulisse einiger Szenen des James Bond-Films Skyfall.

Geisterstadt Japan Hashima

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Weitere verlassene Orte:

  • Michigan Central Station: Auch der alte Hauptbahnhof in Detroit im Bundesstaat Michigan zählt heute zu den Geisterstätten. Im Jahr 1913 wurde mit dem Bau der Michigan Central Station begonnen. Im Jahr 1988 durchfuhr der letzte Zug das Gebäude. Seitdem steht das Gebäude leer. Der Zugang ist zwar nicht gestattet, solltet Ihr jedoch einen Abstecher nach Michigan machen, könnt Ihr das imposante Gebäude von außen bewundern.
  • Geămana: Ein Dorf, das heute nur noch zu erahnen ist, ist das Örtchen Geămana in der Region Siebenbürgen in Rumänien. Heute existiert an der Stelle der Gebäude nur noch ein See, der in den 70er Jahren angelegt wurde. Grund dafür ist die nahe gelegene Kupfermine, deren chemische Rückstände in den See gepumpt werden. Aufgrund der Kupferreste hat das Wasser an einigen Stellen eine rote Färbung angenommen. Zu sehen ist heutzutage übrigens noch immer die Spitze des ehemaligen Kirchturms.
  • Chinguetti: Die Stadt in Mauretanien gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zwar leben hier bis heute mehr als 4 000 Menschen, die Häuser werden jedoch nach und nach vom Wüstensand begraben. Chinguetti war einmal Zentrum des Handels für Gold und Elfenbein, heute ist die Stadt vor allem bekannt für ihre Freitagsmoschee, die aus dem 13. Jahrhundert stammt. Auch deshalb wird die Stadt häufig als siebtheiligste Stadt des Islams bezeichnet. Außerdem findet Ihr hier in fünf Bibliotheken eine enorme Sammlung an Korantexten und Texten aus dem späten Mittelalter.
  • Ouradour-sur-Glane: Der Ort in Frankreich gilt heute als Mahn- und Gedenkstätte für das Kriegsverbrechen, das sich dort im Zweiten Weltkrieg ereignete. Im Zuge des Angriffs der Waffen-SS im Jahr 1944 wurden fast alle Einwohner getötet und der Ort vollkommen zerstört. In den darauffolgenden Jahren wurden die Gebäude in unmittelbarer Nähe neu errichtet, die Ruinen erinnern aber bis heute an das Verbrechen, das sich hier ereignete.

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