„Schon wieder Zugverspätung?! Ich will mein Geld zurück.“ Dauerpendler kennen das Problem: Der erste Schnee fällt vom Himmel – Züge fallen aus. Die ersten Sonnenstrahlen treffen auf die Erde – Züge haben Verspätung. Die Folge: Es herrscht Chaos am Bahnsteig und in den Kundenzentren. Es scheint zu allem Ärger der Kunden ein kausaler Zusammenhang zwischen der Wetterlage und dem Zugverkehr zu bestehen. Hinzu kommen Weichenstörungen sowie Baustellen, die den Zugverkehr regelmäßig lahm legen. Und auch, wenn die Emotionen drohen überzukochen, bietet die Bahn für diese Fälle diverse Entschädigungen. Doch was genau steht mir als Fahrgast in welchem Fall zu? Ich bringe Licht ins Bahn-Dunkel und erkläre Euch, wann Ihr bei einer Zugverspätung wie viel Geld zurück bekommt und welche Alternativen Ihr habt, um schnellstmöglich an Euer Ziel zu kommen.

Zugverspätung Geld zurück

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Zugbindung

Ihr habt ein günstiges Sparpreis-Ticket für die Strecke StuttgartKöln mit dem IC gekauft. In Frankfurt müsst Ihr ein mal umsteigen. Am Stuttgarter Hauptbahnhof die Ernüchterung: Euer Zug hat 20 Minuten Verspätung. Euren Anschluss in Frankfurt würdet Ihr nun definitiv verpassen und verspätet in Köln ankommen. Beim Blick auf die Anzeigetafel seht Ihr, dass in 10 Minuten ein ICE nach Köln fährt. Aber Euer Sparpreis weist ausdrücklich darauf hin, dass das Ticket nur für den gebuchten Zug und zur gebuchten Uhrzeit gilt. Dürft Ihr nun mit dem ICE fahren? Ja, denn: Die Zugbindung entfällt, sobald eine Mindestverspätung von 20 Minuten vorliegt. Dann ist es unabhängig, ob Ihr ursprünglich einen EC oder IC gebucht. Ihr dürft die Verbindung wählen, die Euch auf schnellstem Wege an Euer Ziel bringt. Die Schaffner im Zug können jede Verspätung nachvollziehen. Ihr braucht Euch also keine Sorgen zu machen, dass Euch ein unerlaubtes Upgrade vorgeworfen wird. Gleiches gilt natürlich auch bei einem Zugausfall sofern kein Ersatzverkehr innerhalb von 20 Minuten organisiert wurde. Ein Zugupgrade auf einen EC, IC oder ICE geht nicht, wenn Eure ursprüngliche Fahrt mit der Regionalbahn gebucht war und es sich um ein reines Nahverkehrsticket handelt.

Zugverspätung: Geld zurück

Wer bei einer Zugverspätung sein Geld zurück haben oder eine finanzielle Entschädigung für die Verspätung erhalten möchte, muss schon etwas länger am Gleis stehen. Ab einer Verspätung von 60 Minuten erhaltet Ihr 25% des Fahrkartenpreises, ab 120 Minuten sogar 50% erstattet. Habt Ihr ein Ticket für Hin- und Rückfahrt gebucht, wird 50% des Gesamtbetrages zur Ermittlung der Entschädigungssumme genommen. Auch hier gilt: Die Verspätung orientiert sich am Eintreffen am Zielbahnhof. Wenn Euer Zug in Stuttgart 70 Minuten Verspätung hat, Ihr jedoch eine alternative Verbindung findet, sodass Ihr mit 50 Minuten Verspätung am Ziel ankommt, entfällt der Anspruch auf finanzielle Entschädigung. Eine weitere Möglichkeit: Ab einer Verspätung von 60 Minuten am Startbahnhof könnt Ihr von der Reise zurücktreten und Euch den vollen Fahrkartenpreis erstatten lassen.

Erstattungen Bus, Taxi & Übernachtung

Die Kostenerstattung für die Nutzung anderer Öffentlicher Verkehrsmittel ist an folgende Bedingungen geknüpft:

  • es liegt eine Verspätung ab 60 Minuten vor +
  • es gibt keine angemessene Alternative des Deutschen Bahn +
  • der nächste Zug würde erst zwischen 0 und 5 Uhr am Zielort eintreffen

oder

  • der letzte, planmäßige Zug entfällt, sodass man den Zielbahnhof nicht mehr vor Mitternacht erreicht

Wenn alle Bedingungen zutreffen, beteiligt sich die Bahn in Abhängigkeit vom Rechnungsbetrag mit maximal 80 Euro an den Fahrkosten für Taxi und Co. Bei einer Verspätung von 60 – 119 Minuten werden 25%, ab 120 Minuten 50% des Betrags bis maximal 80 Euro erstattet. Kostet Eure Taxifahrt beispielsweise 200 Euro, erhaltet Ihr bei einer Verspätung bis 119 Minuten 50 Euro erstattet, bei einer Verspätung ab 120 Minuten 80 Euro. Wichtig: Steigt nicht einfach in irgendein Taxi. Die Bahn muss im Voraus darüber informiert werden. Dies könnt Ihr entweder direkt beim Schaffner Eures verspäteten Zuges machen oder an der DB Information. Dort wird man Euch entweder ein anderes Verkehrsmittel zur Verfügung stellen oder einen Taxigutschein geben. Dies ist vor allem dann hilfreich, wenn man gerade nicht genügend Bargeld dabei hat.

Hotelübernachtungen

Wenn Ihr Euren Zielbahnhof aufgrund der Verspätung gar nicht mehr erreichen könnt, übernimmt die Bahn die Kosten für eine Hotelübernachtung. Wie hoch diese sein dürfen, ist nicht genau geregelt. Hierzu heißt es lediglich, dass die Kosten angemessen sein müssen. Auch hier gilt: Nicht einfach in irgend ein Hotel einchecken! Informiert die Bahn vor Ort oder wendet Euch an das Zugpersonal im Zug, damit Euch ein Hotelgutschein ausgestellt werden kann.

Ausnahmen: Zeitkarten

Für Inhaber von BahnCards, Wochen-, Monats- oder Jahreskarten sowie Ländertickets, Schönes-Wochenende-Ticket oder Quer-durchs-Land-Tickets gelten andere Ersatzleistungen. Ihr erhaltet pro Verspätung eine pauschale finanzielle Entschädigung. Bei Zeitkarten des Nahverkehrs (Ländertickets, Schönes-Wochenende-Ticket oder Quer-durchs-Land-Tickets) erhaltet Ihr in der 2. Klasse 1,50 Euro, in der 1. Klasse 2,25 Euro pauschal erstattet. Bei Zeitkarten des Fernvekehrs (BahnCards, Wochen-, Monats- oder Jahreskarten) erhaltet Ihr zwischen zwischen 5 – 15 Euro.

Geld zurück: So geht’s

Um eine Entschädigung geltend zu machen, benötigt Ihr das sogenannte Fahrgastrechte-Formular. Dieses erhaltet Ihr entweder direkt beim Zugpersonal, das Euch die Verspätung Eures Zuges sofort bestätigen kann, oder im DB Service Point. Dort können Verspätungen bis zu 5 Tage zurückverfolgt und bestätigt werden. Zudem benötigt Ihr die Originalfahrtkarte. Mit diesen Dokumenten könnt Ihr Euch direkt am Ticketschalter das Geld auszahlen lassen. Alternativ könnt Ihr das Formular mit den entsprechenden Nachweisen an das Servicecenter schicken. Die Adresse des Servicecenter Fahrgastrechte sowie weitere Infos findet Ihr hier. Die Bearbeitung dauert jedoch bis zu 4 Wochen. Achtung: Beträge unter 4 Euro werden nicht erstattet! In diesem Fall lohnt es sich aber, mehrere Entschädigungen zu sammeln und zusammen einzureichen.