Kofferversteigerungen am Flughafen, dürfen die das überhaupt? Wartet auf mich ein richtiges Schnäppchen im ersteigerten Koffer oder ist das alles nur Blödsinn? Was erwartet mich und was gibt es zu beachten? Hier findet Ihr Antworten rund um das Thema Fundsachenversteigerung bei der Deutschen Bahn sowie Kofferversteigerung am Flughafen.

Kofferversteigerung: Kofferlaufband Passagiere
©Brian A Jackson/Shutterstock.com

Allgemeines

Nach jedem Flug bzw. jeder Landung heißt es für viele Passagiere noch schnell den Koffer holen! Gemeinsam mit dem Rest der Fluggäste geht die Suche nach dem richtigen Ausgang und dem passenden Ausgabeband los. Am richtigen Kofferlaufband angekommen, wird eine Stelle auf dem rotierenden Band fixiert und Ausschau nach dem eigenen Koffer gehalten.

Schnell finden sich Koffer und Besitzer und rollen gemeinsam nach Hause. Doch was passiert eigentlich mit diesen zwei, drei Koffern, die prinzipiell immer liegen bleiben und auf dem Gepäckband mutterseelenallein ihre Runden drehen?

Kurioser Kofferinhalt bei Versteigerung

Die gesetzliche Aufbewahrungsfrist für liegengebliebene Koffer liegt bei drei Monaten. Sollte sich der Besitzer in diesem Zeitraum nicht gemeldet haben bzw. ermittelt werden können, geht das Gepäck in die Kofferauktion. Mit Ablauf der dreimonatigen Aufbewahrungsfrist erwirbt der Flughafen automatisch das Eigentumsrecht.

Damit natürlich niemand zu Schaden kommt, werden die Koffer vor der Versteigerung auf „gefährlichen Inhalt“ untersucht. Wie Thomas Seemann, der Pressesprecher des Hauptzollamts Stuttgart, laut den Stuttgarter Nachrichten mitteilt, werden Waffen, Arznei- oder Betäubungsmittel nicht unter seinen Koffern zu finden sein.

Mitarbeiter des Zolls filtern die Koffer weiter auf auf  Drogen, Bargeld oder verderbliche Lebensmittel. Wir möchten ja keine verschrumpelten Trauben oder ein Kilogramm Koks ersteigern, oder doch?

Es kann auch dazu kommen, dass verdächtiges Gepäck aus sicherheitstechnischen Gründen gesprengt wird. Manchmal bleibt auch mal etwas Kurioses stehen. Am Berliner Flughafen sind bereits Kettensägen, ein chinesisches Samurai-Schwert, ein Rollstuhl und ein „echtes Baby“ liegen gelassen worden, verrückt!

Kofferhaufen
©Maurizio Milanesio/Shutterstock.com

Kofferversteigerung am Flughafen

Flughäfen beauftragen meistens private Aktionshäuser, die liegengebliebenen Gepäckstücke und Fundsachen (wie Handys, Laptops, Mäntel etc.) in öffentlichen Versteigerungen verkaufen. Einige Verkehrsunternehmen führen Kofferversteigerungen auch selbst auf dem Flughafengelände durch und spenden manchmal die Erlöse an wohltätige Zwecke, wie beispielsweise der Airport Stuttgart an Vereine wie „Frauen helfen Frauen Filder“ und „Fildertafel“.

„Zum Ersten, zum Zweiten uuuuuund zum Dritten!“ Das Höchstgebot wurde abgegeben, der Auktionshammer fällt und den Zuschlag bekommt ein neuer Besitzer, der noch nicht weiß, was ihn erwartet. Wird es wertvoller Schmuck, ein silbernes Besteckset, ein Laptop, eine Zahnprothese, ein schicker Boss Anzug, gebrauchtes Spielzeug oder doch nur eine herrenlose Unterhose sein?

Geboten wird „blind“. Das bedeutet, dass die Bietenden vorher nicht sehen können, was sich in den Koffern verbirgt. Genau das ist doch der Reiz an einer blinden Ersteigerung: nicht zu wissen, was einen beim Öffnen des Koffers erwartet. Das kann genau das richtige für Schnäppchenjäger sein, um Fundsachen zu ergattern!

Natürlich kann eine Kofferauktion auch mit Enttäuschungen für den Bieter verbunden sein. Es ist ein reines Glücksspiel. Denn auch wenn Ihr beispielweise einen silberfarbenen Markenkoffer ergattert, könnten sich im Inneren nur wertlose Gegenstände befinden. Wer Lust auf eine Art Gewinnspiel hat, ist hier genau richtig!

Jeder kann zu den öffentlichen Versteigerungen kommen, mitbieten oder auch nur voller Begeisterung  zusehen, wie ein Koffer nach dem anderen unter den Hammer kommt. Die meisten großen Flughäfen in Deutschland veröffentlichen Ihre Termine kurzfristig online.

Hier findest du bevorstehende Termine:

Aktion Gebot bei Kofferversteigerung
©hxdbzxy/Shutterstock.com

Termine im Jahr 2021

September

  • München:
    • 25. September 2021, ab 13 Uhr (85399 Hallbergmoos, im Sport- und Freizeitpark, Am Söldnermoos 61)
  • Online Auktion auf www.fundsachen-auktion.de (Auktionshaus M. Clesle)
    • 23. September bis 24. September

Oktober

  • Frankfurt:
    • 16. Oktober 2021, Einlass an 10 Uhr; Beginn um 12 Uhr

Tipps und Hinweise für die Kofferversteigerung

  • Jagdgebiet eingrenzen: Manchmal bietet sich die Möglichkeit, die Fundsachen vorab anzusehen. Sucht Euch das passende Stück aus und bietet gezielt auf Eure Auswahl. So verhindert Ihr wildes Bieten und könnt Euer Geld gezielt einsetzen.
  • Strategisch handeln: Vor dem Bieten solltet Ihr Euch ein Limit setzen, so vermeidet Ihr, zu viel für einen „wertlosen“ Koffer zu bezahlen.
  • Keine Anmeldung nötig: Geht einfach hin und bietet, was der Geldbeutel hergibt. Den Verstand dabei aber bitte nicht verlieren.
  • Guten Platz wählen: Damit Ihr einen guten Blick auf die Koffer habt und der Auktionator Euch gut sehen kann.

Fundsachenversteigerung bei der Deutschen Bahn

Nicht nur an Flughäfen bleibt jede Menge Gepäck liegen, sondern auch an anderen Orten, an denen „gereist“ wird. Auch die Deutsche Bahn versteigert regelmäßig herrenloses Gepäck. Laut der Bahn werden jährlich mehr als 250.000 „Gegenstände“ an Bahnhöfen und Zügen liegen gelassen. Zusammengekommen ist jedes Jahr aufs Neue eine Menge. Die Deutsche Bahn hat dafür eigens ein „Fundsachenmanagement“, das sich an 80 Bahnhöfen um das liegengebliebene Gepäck kümmert.

Auch hier werden die nicht abgeholten „Gegenstände“ nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist öffentlich versteigert. Dazu gehören auch Handys, Regenschirme, Rucksäcke und kleinere Wertgegenstände. Für alle, die auf der Suche nach einem günstigen Fahrrad sind, die Deutsche Bahn versteigert außerdem regelmäßig herrenlose Fahrräder. Die Versteigerungen der Deutschen Bahn finden in der Regel donnerstags von 9 bis 13 Uhr im zentralen Fundbüro in Wuppertal statt.

Wenn Ihr genau so neugierig seid wie ich, dann sucht Euch einen passenden Termin in Eurer Nähe und geht auf Kofferjagd! Wir wünschen Euch viel Spaß beim Ersteigern!

PS: Wusstet Ihr, dass DHL, Hermes oder auch DPD unzustellbare Pakete ebenso versteigern? Also immer darauf achten, leserlich zu schreiben und die korrekte Adresse angeben, sonst landet Eurer Päckchen vielleicht bei jemand anderem.

Häufig gestellte Fragen

Worauf muss ich bei Kofferversteigerungen und Auktionen achten?

Beachtet auf jeden Fall die anfallenden Gebühren, denn nur mit dem Kofferpreis ist es nicht getan. Normalerweise fallen zusätzlich noch Auktionsgebühren plus Mehrwertsteuer an. Seid Euch ebenfalls bewusst, dass in der Regel direkt nach der Auktion bezahlt wird, und das in bar. Ihr solltet also ausreichend Bargeld mitbringen. Außerdem ist es empfehlenswert, sich die Auktionsbedingungen und die zu versteigenden Gegenstände noch vor der Auktion anzuschauen.

Warum werden Koffer versteigert?

Es kann vorkommen, dass ein Gepäckstück verloren geht. Die Besitzer haben drei Monate Zeit, Ihr Reisegepäck zurückzuholen, wenn es im Fundbüro landet. Wird dies jedoch nicht abgeholt, wird der Koffer Eigentum der Fluggesellschaft und wird versteigert.

Kann der ursprüngliche Besitzer seinen alten Koffer zurückverlangen?

Nein, denn der Rechtsanspruch des alten Besitzers auf den Koffer ist mit Beginn der Auktion abgelaufen. Ihr müsst also nicht besorgt sein, dass Ihr Euren ersteigerten Koffer wieder abgeben müsst. Was weiterhin gilt, sind nur die Persönlichkeitsrechte wie z.B. Bilder auf Kameras. Löscht diese sicherheitshalber, wenn Ihr welche findet, da Ihr zur Verwendung dieser nicht befugt seid.

Kann ich meinen ersteigerten Koffer auch per Karte oder Rechnung bezahlen

Wie bereits angesprochen, ist in den meisten Fällen nur eine Barzahlung möglich. Die Bezahlung per Kreditkarte oder Rechnung ist nicht vorgesehen.

Wurden die Gepäckstücke vor der Kofferversteigerung bereits geöffnet?

Ja, die Koffer wurden bereits vor der Versteigerung geöffnet, in der Regel eine Aufgabe des Zolls. Entnommen werden beispielsweise nasse Kleidung und Lebensmittel sowie gefährliche Gegenstände oder auch Bargeld.