Urlaub als eine Impfreise in Dubai, Israel oder Russland? Die Idee eines österreichischen Verlegers lautete, schon Ende März mit den ersten Impfreisen zu starten. Ein norwegischer Reiseveranstalter mischt außerdem ab sofort mit beim Thema Impfreisen und ein deutscher Reiseveranstalter plant den Einstieg. Hier eine aktuelle Übersicht.

VAE Dubai Jumeirah Beach Kamele

Werden schon bald sogenannte Impftouristen auf Kamelen in Dubai reiten? ©RastoS/Shutterstock.com

„First come. First go. Freedom for you.“ So lautet das Prinzip, nach dem die sogenannten Impfreisen des Verlegers Christian Mucha ablaufen sollen. Der Österreicher möchte damit Menschen ermöglichen, ihre Impfung zu erhalten – unabhängig von einer vorgesehenen Reihung nach Alter und Gefährdungsrisiko.

Die Menschen sollen aber nicht nur zur Impfung an den vorgesehenen Ort kommen, um dann geimpft wieder nach Hause fliegen zu können. Der Trip ist mit einer mehrwöchigen Reise verbunden. Also quasi Urlaub mit COVID-19-Impfung.

Bislang ist es jedoch noch nicht möglich, den COVID-19 Impfstoff am freien Markt zu erwerben. „Mein Wunsch ist es, dass wir diesen Impfstoff legal und zertifiziert bekommen“, entgegnete Verleger Mucha dem Ö1 Morgenjournal.

VAE Dubai Luxus Port

Nicht jeder kann sich eine Reise nach Dubai leisten. ©RastoS/Shutterstock.com

Impfreisen nach Dubai & Israel

Impfreisen sollen sich in einem Zeitraum von drei bis vier Wochen bewegen. Aber wie viel wird dieser Spaß kosten? Muchas Webseite Impfreisen.at ist zu entnehmen, dass das Angebot vier Preiskategorien enthalten soll. Aus dem Gespräch des Verlegers mit „ÖSTERREICH“-Herausgeber Wolfgang Fellner kommen Summen bis maximal 30.000 Euro zum Vorschein.

Sein Angebot soll aber nicht nur Reichen zur Verfügung stehen. Daher gebe es auch ein „Discounter Angebot“, das sich im Rahmen von 3.000 und 4.000 Euro bewegt. Jedem zehnten, der sich solch eine Impfreise nicht beziehungsweise nur schwer leisten kann, stelle er eine Gratisreise in Aussicht.

Dennoch darf hier ein kritischer Blick nicht fehlen. Wie sollen Impfreisen nach Dubai und Israel reibungslos funktionieren? Kritiker warnen bereits vor einem Impftourismus, bei dem sich die Reichen einen schnelleren Zugang zu Impfdosen erkaufen können. Dass diejenigen zuerst geimpft werden, die ein erhöhtes Gefährdungsrisiko haben, kann mit diesem Vorgehen nicht gewährleistet werden.

Israel Tel Aviv Meer

Die Strandpromenade von Tel Aviv – bislang noch verschont von Impftouristen. ©badahos/Shutterstock.com

Reiseveranstalter ziehen nach

Mucha ist mit dieser Geschäftsidee nicht der Einzige, der sogenannte Impfreisen anbieten möchte. Auch der deutsche Reiseanbieter FIT Reisen hat die Idee des Impftourismus weiterentwickelt und beschreibt diese folgendermaßen auf seiner Website:

Eine Impfreise ist ein mehrwöchiger Erholungsurlaub, bei dem Reisende die Möglichkeit haben, sich parallel zum Urlaub freiwillig gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. In einem separaten Arzttermin können Sie alles Wichtige wie Indikationen, Kontraindikationen, Nebenwirkungen etc. besprechen und sich in dem Rahmen für eine Impfung entscheiden.

Impfreise Russland ab sofort buchbar

Moskau hatte kürzlich angekündigt, Impfstoff auch Touristen zur Verfügung stellen zu wollen. Darauf reagierte der norwegische Reiseveranstalter World Visitor sehr schnell. Er bietet ab sofort Impfreisen für Urlauber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Russland an.

Es gibt dann Kurzreisen zum Impfen – also hin und zurück nach Moskau – inklusive Impfung im Transitbereich, sobald ein dortiges Impfzentrum fertiggestellt ist, und künftig sogar auch in kurzem Abstand, um beide Impfungen machen zu können sowie Impfkurzreisen mit Weiterflug und touristischem Aufenthalt in Istanbul.

Außerdem soll es eine große 22-tägige Reise nach Moskau geben mit Flügen, Aufenthalt, Hotelübernachtungen und sämtlichen Transfers. Preislich soll das ganze ab rund 1.200 Euro starten.

Russland Moskau Brücke

Schon bald könnte es zum Impfen nach Moskau gehen. ©Dmitry Polonskiy/Shutterstock.com

„Unethisches Geschäftsmodell“

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht dies ähnlich. Er beschreibt die Idee einer Impfreise nach Dubai oder Israel als „unethisches Geschäftsmodell“. In den geplanten Ländern nehme man der Bevölkerung nicht den Impfstoff weg, entgegnet jedoch das Unternehmen FIT Reisen. Erst, wenn die Menschen vor Ort weitestgehend geimpft seien, bestehe die Möglichkeit einer Impfung.

Müssten übrige Impfstoffe, die im Rahmen dieser geplanten Impfreisen an Menschen gehen, die sich eine solche Reise leisten können, nicht bedürftigen Ländern zur Verfügung gestellt werden? Diese Ansicht vertritt Lauterbach und kritisiert damit die geplanten Impfreisen.

Bislang noch nicht legal

Bislang ist es noch nicht möglich, den COVID-19 Impfstoff am freien Markt zu erwerben. „Mein Wunsch ist es, dass wir diesen Impfstoff legal und zertifiziert bekommen“, entgegnete Verleger Mucha dem Ö1 Morgenjournal.

Dennoch ist weiterhin unklar, ob es überhaupt zu Impfreisen kommen wird. Israel und Dubai sind eine Option, Ägypten und die Seychellen sind im Gespräch und weitere sollen folgen. Länder müssen dafür Ihr Einverständnis geben, was beispielsweise bei Israel noch nicht eingetreten ist. Im Gegenteil: Das Land wehrt sich gegen solche Planungen und weist sie zurück.

Und die nächste Frage lautet: Wie vertrauenswürdig sind solche Angebote? Bisher sind diese nicht mehr als leere Versprechen, denn Impfstoffe werden weltweit nicht für Privatzahler angeboten. Somit sind solche Angebote auch nicht legal.

Es besteht also ein Restrisiko, sollte man sich für einen solchen Urlaub mit Impfung entscheiden. Zusätzlich steht auch noch kein genauer Zeitplan fest. Laut Mucha sollen die Reisen zwischen Ende März und Anfang April losgehen. Auch das Unternehmen FIT Reisen plant mit Ende März als Startpunkt.

Ob wir bald nach Dubai oder Israel reisen werden, um uns impfen zu lassen? Es muss ja nicht unbedingt gleich eine Impfreise sein. Hier erfahrt Ihr, wann und wohin Ihr wieder reisen dürft und welche Länder als Risikogebiete gelten.

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