Was man unter Fluggastrecht-Portalen versteht, wie die einzelnen Unternehmen arbeiten und was Ihr beachten müsst, wenn Ihr ein entsprechendes Portal zu Rate zieht, erfahrt Ihr hier. Bei Flugverspätungen und -ausfällen stehen Passagieren dank einer EU-Verordnung Ausgleichszahlungen zu. Ich zeige Euch, wann Ihr die Hilfe von Fluggastrecht-Portalen in Anspruch nehmen könnt und welche Entschädigungen Euch zustehen.

Flughafen Anzeigetafel

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Was ist ein Fluggastrecht-Portal?

Wie der Name bereits verrät, setzen sich Fluggastrecht-Portale wie euclaim, FairPlane oder Flugrecht.de für die Fluggastrechte von Passagieren ein, denn bei Verspätungen oder Flugausfällen stehen Fluggästen laut Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen Entschädigungssummen zu. Das bedeutet: Wurde Euer Flug annulliert oder hat eine bestimmte Stundenzahl an Verspätung überschritten, könnt Ihr Anspruch auf Entschädigungszahlungen geltend machen. In der Regel solltet Ihr Euch mit Euren Forderungen direkt an die Airline wenden. So vermeidet Ihr anfallende Gebühren und erhaltet im besten Fall den vollen Entschädigungsanspruch. Treten dabei allerdings Schwierigkeiten auf oder ist die Fluggesellschaft nicht bereit, entsprechende Kosten zu übernehmen, habt Ihr die Möglichkeit, die Hilfe von Dritten, beispielsweise in Form von Fluggastrecht-Portalen, in Anspruch zu nehmen. Diese nehmen sich Eurem Fall an und helfen Euch dabei, eine Entschädigungssumme von der Airline zu erstreiten. Doch Achtung: Fluggastrecht-Portale verlangen für die Bearbeitung Eures Anliegens eine Provision, die von der Gesamtsumme abgezogen wird. Es macht also Sinn, zunächst direkt mit der Airline in Kontakt zu treten und so im besten Fall die volle Entschädigungszahlung zu erhalten. Eine Alternative bieten Schlichtungsstellen, die für eine Einigung zwischen Fluggast und Airline eintreten.

So funktioniert’s

Habt Ihr Euch dafür entschieden, ein Fluggastrecht-Portal mit Eurem Anliegen zu beauftragen, könnt Ihr über die entsprechende Webseite zunächst eine kostenlose Anfrage starten. Dabei wird ermittelt, ob Ihr überhaupt einen Anspruch auf eine Entschädigung geltend machen könnt. Gebt dafür einfach die geforderten Informationen wie beispielsweise die Flugnummer und das Datum Eures Flugs an. Manche Portale verlangen weitere Flugdetails wie den Abflughafen oder das Ziel. Wenn Ihr entsprechende Ausgleichszahlungen geltend machen möchtet, solltet Ihr also Eure gesamten Flugdaten bereit haben. Anschließend wird geprüft, ob Ihr einen Anspruch auf eine Auszahlung habt. Ist das der Fall, habt Ihr die Möglichkeit, das Fluggastrecht-Portal mit Eurer Schadensersatz-Forderung zu beauftragen.

Reisen Flugticket Kreditkarte

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Inkasso vs. Sofortentschädiger

Bei Fluggastrecht-Portalen gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Arbeitsmethoden: zum einen die Sofortentschädiger, zum anderen die Inkassodienste. Der Unterschied liegt dabei im Zeitpunkt der Zahlung, aber auch in der Höhe der Provision. Grundsätzlich nehmen die meisten Fluggastrecht-Portale nur Fälle an, bei denen eine Einigung möglich erscheint. Wendet Ihr Euch an einen Sofortentschädiger, wird Euch Euer Fall „abgekauft“ und Ihr erhaltet unmittelbar eine Zahlung. Portale, die wie ein Inkassounternehmen arbeiten, bearbeiten den Fall zunächst erst einmal und verlangen im Falle eines Erfolgs eine Provision vom Verbraucher. Hat das Fluggast-Portal keinen Erfolg, werden also auch keine Zahlungen fällig. In beiden Fällen wird Euch allerdings nicht die gesamte Entschädigungszahlung ausgehändigt. Die Abzüge sind bei Sofortentschädigern aber meist nochmal deutlich höher als bei Inkassodiensten. Vor- und Nachteile der beiden Methoden seht Ihr in meiner Tabelle auf einen Blick.

Vorteile Nachteile
Inkassodienste meist niedrigere Provision als Sofortentschädiger

Provision nur im Erfolgsfall fällig

oft lange Wartezeiten bis zur Entschädigungszahlung
Sofortentschädiger garantierte Auszahlung

unmittelbare Auszahlung

meist höhere Provision als Inkassodienste

Welche Ansprüche habe ich?

Anspruch bei Verspätungen

Strecken bis 1.500 Kilometer: 250 Euro

Strecken von 1.501 bis 3.500 Kilometern: 400 Euro

Strecken ab 3.500 Kilometern: 600 Euro

Doch welche Ansprüche habe ich überhaupt? Laut EU-Fluggastrechteverordnung stehen Euch im Falle einer Nichtbeförderung, einer Überbuchung, einer Annullierung des Fluges oder einer Verspätung von mehr als drei Stunden Entschädigungen zu. Bei einer Verspätung können dabei, je nach Länge der Flugstrecke, zwischen 250 und 600 Euro für Euch herausspringen. Ihr seht, seine Rechte in Anspruch zu nehmen, kann sich also definitiv lohnen und die Reisekasse aufbessern. Allerdings kann die Fluggesellschaft den Zahlungen in einigen Fällen widersprechen, beispielsweise dann, wenn die Airline „außergewöhnliche Umstände“ als Grund für die Annullierung oder Verspätung vorschieben kann. In solchen Fällen helfen Fluggastrecht-Portale dabei, die Entschädigungszahlungen durchzusetzen. Bevor Ihr Euch an ein entsprechendes Portal wendet, solltet Ihr Euch zunächst darüber informieren, ob Ihr Euer Anliegen mithilfe der Fluggastrechteverodnung geltend machen könnt.

Wann gibt es keine Entschädigung?

In einigen Fällen greift die EU-Fluggastrechtverordnung allerdings nicht. Das gilt beispielsweise, wenn Ihr einen Flug antretet, der nicht auf einem Flughafen der EU-Mitgliedsstaaten liegt. Wenn Euer Flug außerhalb der EU startet, muss mindestens der Zielflughafen innerhalb der EU liegen. Weitere Informationen zu Euren Fluggastrechten und den damit verbundenen Ansprüchen habe ich Euch in einem weiteren Artikel ausführlich zusammengefasst.

Fluggastrechte im Überblick

Fluggastrecht-Portale im Vergleich

Derzeit gibt es zahlreiche Anbieter auf dem Markt, die sich für Eure Rechte einsetzen und versuchen, Eure Ansprüche gegenüber den Airlines gültig zu machen. Dabei arbeitet jedes Fluggastrecht-Portal mit verschiedenen Methoden und unterschiedlich hohen Provisionen. In meiner Tabelle seht Ihr einige der größten Fluggastrecht-Helfer, wie sich die Portale auch nennen, im Vergleich. Dort habe ich Euch nicht nur die anfallende Provision, sondern auch zusätzliche Gebühren, ob Inkasso oder Sofortentschädiger und die maximal mögliche Auszahlung aufgelistet. Die maximale Höhe der Auszahlung bezieht sich im Falle einer Preisspanne (z.B. 20 bis 30 Prozent bei Flightright) auf die minimal mögliche Provision, also in diesem Fall 20 Prozent. Beachtet allerdings, dass die meisten Fluggastrecht-Helfer, bei denen der Betrag für die Provision variiert, eine Standardprovision festgelegt haben, die über dem niedrigsten Wert liegt.

Anbieter Provision zusätzliche Gebühren Methode maximale Auszahlung
AirHelp 35 % 15 % Rechtsweggebühr (falls rechtliche Schritte eingeleitet werden) Inkasso bis 390 € (ohne Rechtsweggebühr)
Claim Flights 22,5 % 19 % Mehrwertsteuer Inkasso bis 439 €
EUflight 26 – 36 % 19 % Mehrwertsteuer Sofortentschädiger bis 415 € (bei 26 % Provision)
EUclaim 25 % 19 % Mehrwertsteuer Inkasso bis 421 €
FairPlane 24 – 35 % (Standard meist 29 %) Inkasso bis 426 € (bei 29 % Provision)
Flightright 20 – 30 % 19 % Mehrwertsteuer

14 % Anwaltszuschlag (falls rechtliche Schritte eingeleitet werden)

Inkasso bis 457 € (bei 20 % Provision, ohne Anwaltszuschlag)
Flug-verspaetet.de 25 % 19 % Mehrwertsteuer Inkasso bis 421 €
Flugrecht.de 20 – 30 % 19 % Mehrwertsteuer

ggf. Anwaltskosten

Inkasso bis 457 € (bei 20 % Provision)
Geld für Flug individuelle Angebote Sofortentschädiger
flugrückerstattung.de 25 % 19 % Mehrwertsteuer Inkasso bis 421 €
Wir kaufen deinen Flug 35 % bei Sofortentschädigung // 25 % bei Inkasso 19 % Mehrwertsteuer Sofortentschädiger & Inkasso bis 421 € (bei 25 % Provision)

Fazit

Fluggastrecht-Portale bieten eine vermeintlich einfache Möglichkeit, um Ausgleichszahlungen bei Flugannulierungen oder -verspätungen zu erhalten. Allerdings empfehle ich Euch, Eure Rechte zunächst selbstständig einzufordern. Informiert Euch, ob Euer Anliegen die Bedingungen für Entschädigungszahlungen erfüllt und wendet Euch damit direkt an Eure Airline. Ein Fluggastrecht-Portal zur Hilfe heranzuziehen, kann dann sinnvoll sein, wenn Ihr Eure Rechte mit möglichst wenig Aufwand einfordern möchtet oder der Weg direkt über die Fluggesellschaft in eine Sackgasse geführt hat. Bevor Ihr Euch für ein Portal entscheidet, solltet Ihr aber auf jeden Fall die Gebühren prüfen und verschiedene Anbieter vergleichen. Seid Euch außerdem bewusst, dass die endgültige Zahlung aufgrund der Provisionen deutlich niedriger ausfällt als die Summe, die Euch von Gesetztes wegen zusteht. Übrigens gibt es mit Bahn-Buddy.de ein ähnliches Programm für Rückerstattungen für Eure Zugfahrt und hier einen aktuellen Bahn Buddy Gutschein.

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