Spätestens seitdem der Klimaschutz in aller Munde ist, boomt der Ökotourismus. Man verbinde das moderne Umwelverständnis mit einer einzigartigen Reiseerfahrung und schon hat man ihn, den Nachhaltigen Tourismus. Allerdings geht es bei dieser Form des Reisens nicht nur um den Naturschutz. Ökotourismus, auch Nachhaltiges Reisen, Sanfter Tourismus oder Green Travel genannt, wird von der vor mehr als 20 Jahren gegründeten International Ecotourism Society als „verantwortungsbewusstes Reisen, das die Umwelt schützt und das Wohlbefinden der einheimischen Bevölkerung aufrechterhält“ definiert. Das Ziel dieser Form des Reisens ist es, besonders Rücksicht auf die Umwelt und die ansässige Bevölkerung einer Reisedestination zu nehmen und gleichzeitig die Ökosysteme der ökologisch wichtigen und schützenswerten Gebiete möglichst wenig zu belasten. In diesem Artikel habe ich Euch die wichtigsten Informationen zum Thema Nachhaltigen Tourismus zusammengestellt.

Costa Rica Brücke Jungle Ökotourismus

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Ökotourismus: Infos zum Nachhaltigen Reisen



Was bedeutet Nachhaltiger Tourismus?

Österreich See Paar

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Begriffe wie sanfter Tourismus, Ökotourismus oder intelligenter Tourismus spielen eine zunehmend größere Rolle in der Reiseplanung. Doch was versteht man eigentlich unter diesen Bezeichnungen und wie werden diese definiert? Dahinter versteckt sich ein Konzept, das Faktoren wie Entwicklungsmöglichkeiten, Ressourcenmanagement und soziale Bedürfnisse berücksichtigt. Nachhaltiger Tourismus beinhaltet also eine Form des Reisens, die das Augenmerk auf die Erhaltung der Natur legt. Zu den wesentlichen Aspekten dieser Reiseform gehört das Vorhaben, der Umwelt während eines Urlaubs so wenig wie möglich zu schaden. Gleichzeitig soll die Umgebung möglichst intensiv erlebt werden. Dazu zählt auch, sich der Kultur des Landes anzupassen und ökologische, ökonomische und soziokulturelle Ziele wie beispielsweise die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit beliebter Tourismusregionen oder die Wahrung von Traditionen zu verfolgen.

Wichtige Aspekte auf einen Blick:

  • Schutz der Umwelt
  • Natur möglichst intensiv erleben
  • sich der Kultur des Landes anpassen

Nachhaltige Reiseziele weltweit

Ökotourismus soll umweltverträglich, wirtschaftlich ergiebig und sozial gerecht sein. Doch wie verbindet man all diese Faktoren mit einem Urlaub und wo macht man ihn am besten? Nachhaltiger Tourismus kann theoretisch überall betrieben werden. Unter Nachhaltigem Reisen kann beispielsweise ein Campingtrip im Nachbarort verstanden werden, genauso wie ein Tauchkurs auf den Malediven oder ein Badeurlaub in Kambodscha. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Reiseländer, in denen Ökotourismus möglich ist, von 20 auf 40 gestiegen. Außerdem haben sich weitere Strömungen des Nachhaltigen Tourismus gebildet, wie etwa der Slow Tourism. Im folgenden habe ich Euch einige Beispiele für Regionen und Länder aufgelistet, in denen Ökotourismus groß geschrieben wird.

Nationalpark von Ankarafantsika

Zu den erwähnenswerten Ökotourismus Destinationen gehört der Nationalpark von Ankarafantsika in Madagaskar. Dort leben vom Aussterben bedrohte Schildkröten, die es sonst nirgendwo anders auf der Welt gibt. Durch verarmte Reisbauern, die das Wald- und Savannengebiet als Quelle für Wasser und Brennholz nutzten, sind die seltenen Tiere fast vertrieben worden. Dank der Einführung des Ökotourismus konnten sich die Bestände jedoch wieder erholen. Urlauber, die am Naturpark und dessen Flora und Fauna interessiert sind, unterstützen mit dem Eintritt den Naturschutz und weitere soziale Projekte. Die Reisbauern, die die Wälder abholzten, arbeiten jetzt als Touristenführer.

Bokeo Nature Reserve

Im Bokeo Nature Reserve im Nordwesten von Laos kann man in Baumhäusern leben, die in den Wipfeln der riesigen Urwaldbäume untergebracht sind. Während der mehrtägigen Touren durch das Naturschutzgebiet schwingt man an Seilen befestigt von Baum zu Baum und kann währenddessen die atemberaubende Aussicht über den Dschungel genießen. In den Baumkronen des Gebiets leben Schwarze Gibbons, die bereits als ausgestorben galten. Heute leben rund 400 der Primaten in dem schwer zugänglichen Naturschutzgebiet. Tiger und Elefanten findet man hier ebenfalls vor. Um den Erhalt und die Inwertsetzung der Natur zu gewährleisten, wurden Wilderei, Holzeinschlag und Brandrodungen durch lokale Wirtschaftsformen ersetzt. Einheimische arbeiten heute als Guides oder Waldschützer.

Manche Zielorte wie zum Beispiel das Soneva-Resort auf den Malediven und in Thailand, berechnen ihren Gästen sogar eine Abgabe, die dem ökologischen Fußabdruck ihrer An- und Abreise entspricht, und unterstützen mit dem eingenommenen Geld Aufforstungsprojekte in Asien. Weitere beliebte Destinationen des Ökotourismus sind Neuseeland oder Bonito in Brasilien. Aber auch Ziele in Europa wie zum Beispiel die Inselgruppe St. Kilda in Schottland, die nicht nur landschaftlich sondern auch kulturell sehr bedeutsam ist und sogar von der UNESCO zum Doppel-Weltkulturerbe erklärt wurde, haben sich auf Ökotourismus spezialisiert.

Mallorca

Mallorca gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen und ist deshalb besonders betroffen vom Massentourismus. Eine große Rolle im Hinblick auf die Belastung der Natur spielen vor allem die Flugreisen, die die einzige Möglichkeit sind, auf die Insel zu gelangen. Da stellt sich die Frage: Ist es überhaupt möglich, auf Mallorca Ökotourismus zu betreiben? Ein erster Schritt in Richtung nachhaltigem Tourismus auf Mallorca ist die Suche nach einem entsprechenden Hotel. Oft sind des die inhabergeführten Unterkünfte, die Wert auf Nachhaltigkeit legen. Ein Indiz dafür sind beispielsweise regionale Speisen und lokale Zutaten bei der Speisenzubereitung.

Nachhaltige Reiseziele in Deutschland

Um umweltbewussten Urlaub betreiben zu können, müsst Ihr nicht immer weit verreisen. In Deutschland gibt es ebenfalls Destinationen, die sich dem Ökotourismus verschrieben haben. Hier findet Ihr sogar um die 160 touristischen Ziele, die den Fokus auf erneuerbare Energien gesetzt haben. Dazu gehört beispielsweise die Solarfähre am Bodensee.

Destinationen in Deutschland

In Baden-Württemberg erwarten Euch vielfältige und vor allem grüne Landschaften, die der heimische Tourismusverband als den “Grünen Süden“ bewirbt. Kulinarische Spezialitäten und malerische Altstädte sind ebenfalls verlockend und absolut sehenswert. Wandertouren, Radausflüge und Sightseeingtage in den schönsten Städten im Land wie Freiburg oder den Bodenseeorten gehören hier zum Programm. Die grünen Unterkünfte, wie es sie unter anderem im Schwarzwald gibt, müssen etablierte Umwelt- und Nachhaltigkeitssiegel aufweisen. Baden-Württemberg ist der perfekte Ort für einen grünen Badeurlaub oder für Ökotourismus in den Bergen.

Auch in deutschen Größstädten ist ein nachhaltiger Urlaub möglich. Im Wälderhaus Hamburg auf der Elbinsel Wilhelmsburg zum Beispiel findet man nicht nur ein hervorragendes 3.5* Hotel sondern ebenfalls ein Science Center, in dem über die Flora und Fauna der deutschen Wälder aufgeklärt wird.

Das Motto in der Uckermarck im Osten Deutschlands ist „Tourismus und Wasser – die gemeinsame Zukunft schützen“. Die Region hat sogar den Bundeswettbewerb für Nachhaltige Tourismusregionen 2012/2013 gewonnen. Wenn man hier Urlaub macht, übernachtet man in nachhaltig wirtschaftenden Betrieben, von denen knapp 85 Prozent klimaneutral sind. Die Revitalisierung der Moorflächen hat allerdings nicht nur einen positiven Effekt auf das Klima: Der regionale Naturschutz wird durch den Tourismus ebenfalls gefördert.

Alpen Zugspitze Eibsee

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Was kann ich selbst tun?

Sanfter Tourismus, der Rücksicht auf Umwelt und die einheimische Bevölkerung nimmt, ist definitiv auf dem Vormarsch. Mittlerweile betreiben fast 70 Millionen Menschen Ökotourismus und reisen an Orte mit sensiblen Ökosystemen, um zu ihrem Schutz beizutragen. Ich denke, dass Ökotourismus einen wertvollen Beitrag dazu leisten kann, das Bewusstsein für die ökologischen Probleme unserer Erde zu stärken und jedem Reisenden die Möglichkeit gibt, mit seiner Reiseleidenschaft etwas Gutes für Mensch, Natur und Tiere zu bewirken. Doch was kann ich selbst tun, um mich dem Ökotourismus zu verschreiben? Ich habe für Euch einige Tipps zusammengestellt, mit denen Ihr erste Schritte in Richtung einer nachhaltigen Reise machen könnt.

Anreise

  • Flugreisen: Da Fliegen ziemlich CO2 intensiv ist, sollte man sich immer fragen, ob ein Flug an den gewünschten Urlaubsort wirklich nötig ist. Als Faustregel kann man sich merken, dass man bei Distanzen unter 700 Kilometern nicht fliegen sollte. Es gibt einige Umweltorganisationen, bei denen Ihr den CO2-Ausstoß Eures Fluges kompensieren könnt wie zum Beispiel bei ATMOSFAIR. Bei einem Flug von Deutschland nach New York kann man für knapp 3.000 Kilogramm ausgestoßenes CO2 schon mal 60 Euro zahlen.
  • Zug fahren: Innerhalb Deutschlands, aber auch innerhalb Europas, solltet Ihr mit der Bahn an Euer Urlaubsziel gelangen. Eine Zugfahrt ist relativ CO2-arm und die DB versucht die meisten Züge sogar mit Ökostrom zu betreiben.
  • Mitfahrgelegenheiten: Autos sind die größten CO2 Sünder, wenn Ihr aber kürzere Strecken innerhalb von Deutschland zurücklegen wollt, dann ist es sinnvoll Mitfahr-Angebote zu nutzen. Vor allem, wenn die Autos voll besetzt sind, minimiert sich die CO2-Bilanz pro Kopf.

Unterkunft

Bei der Buchung Eurer Unterkunft könnt Ihr Euch vorab informieren, ob das Hotel ein Leitbild hat oder sich an gewisse Nachhaltigkeits-Kriterien hält. Meistens informieren die Hotels darüber auf Ihrer Homepage.

  • Lage: Die Unterkunft sollte sich nicht in einem Gebiet befinden, das geschützt ist. Außerdem sollte sich das Gebäude in die Umgebung einfügen und die Landschaft nicht „zerstören“.
  • Einsatz von Ressourcen: Im Optimalfall sollten sämtliche Ressourcen während Eurer Reise verantwortungsvoll genutzt werden. So kann zum Beispiel der Pool durch Sonnen-Energie erwärmt oder das Abwasser nicht ungefiltert ins Meer abgelassen werden.
  • Regionale Lebensmittel: Manche Hotels kaufen Ihre verwendeten Lebensmittel in der Region. Dies vermeidet den Einsatz von Flugwaren, unterstützt die lokale Wirtschaft und ist somit nachhaltig.
  • Art der Verpflegung: All Inclusive Angebote sind besonders attraktiv für Reisende, jedoch solltet Ihr Euch fragen, welche Auswirkungen diese Art der Rundum-Verpflegung für die Gastgeber-Region hat. Sinnvoller ist es auch, außerhalb des Hotels Essen zu gehen und somit die lokale Wirtschaft und die Einheimischen zu unterstützen.

Aktivitäten vor Ort

Während eines Urlaubs möchte man das fremde Land am liebten intensiv bereisen und erkunden. Auf was Ihr bei Euren Unternehmungen am Urlaubsort in Bezug auf die Nachhaltigkeit beachten solltet, erfahrt Ihr im Weiteren.

  • Erkundungs-Touren: Wenn Ihr Eure Urlaubsregion näher erkunden möchtet, solltet Ihr am besten den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. So seid Ihr auch im Urlaub weitesgehend CO2 arm unterwegs.
  • Land erleben: Bei der Erkundung der Landschaft solltet Ihr immer darauf achten, auf befestigten Wegen zu bleiben, um nicht unnötig in die Natur einzugreifen. So könnt Ihr Euch geführten Wanderungen anschließen oder bei organisierten Touren mitmachen.
  • Klimatische Bedingungen respektieren: Skifahren in der Wüste und Poolparty am Nordpol. Das klingt vielleicht verlockend, hat aber leider nichts mit nachhaltigem Denken zu tun. Bei Euren Aktivitäten solltet Ihr immer darauf achten, ob diese den lokalen Gegebenheiten entsprechen.

Österreich Kärnten Wandern Berg

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Vorteile & Nachteile von Ökotourismus

Wer sich mit dem Thema Ökotourismus beschäftigt, stellt fest, dass Nachhaltiges Reisen nicht nur Vorteile mit sich bringt. So entsteht beispielsweise durch das wachsende Interesse an Destinationen, die sich dem Ökotourismus annehmen, ein immer größerer Andrang in diesen Gebieten. Welche weiteren Vor- und Nachteile Ökotourismus nach sich zieht, habe ich in der folgenden Tabelle für Euch aufgelistet.

VorteileNachteile
Beitrag zum Umweltschutzimmer größere Nachfrage in Ökotourismusgebieten
Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Umwelt und anderen Kulturen steigtgewünschter Standard kann ggfs. nicht gewährleistet werden
Förderung lokaler InstitutionenÖkotourismus hat seine Grenzen (Flüge gehören zu vielen Fernreisen obligatorisch dazu)
Einheimische werden unterstütztRadtouren, Wanderungen oder Bahnreisen können z.B. aus gesundheitlichen Gründen nicht von allen Reisenden realisiert werden
Ressourcen werden geschontNatur wird bei zu großem Ansturm geschädigt
UmdenkenÖkotourismus hat seinen Preis und kann nicht mit Schnäppchenpreisen konkurrieren
Entstehung von Arbeitsplätzen

Slow Tourism als alternative Form des Ökotourismus

Nach Slow Food kommt Slow Tourism. Ins Deutsche übersetzt bedeutet es so viel wie „Langsamer Tourismus“, aber was genau soll das bedeuten? Touristen fühlen sich häufig gestresst und das sogar im Urlaub! Lange Wartezeiten vor den Sehenswürdigkeiten und Touristenmassen, die sich durchdrängeln und wie die Sardinen am Strand liegen: Das kann einem leicht die Laune verderben. Deshalb hat sich ein alternativer Urlaubstrend entwickelt, der dem Ökotourismus nacheifert: Neben Langsamkeit und Nachhaltigkeit geht es beim Slow Tourism um Reisen im selbstbestimmten Tempo.

Prinzipien

Der neue Urlaubstrend fand vor knapp 10 Jahren in Italien seinen Ursprung und wurde dort immer beliebter. Die alternative Art des Reisens als Gegenbewegung zu Pauschalreisen fand daraufhin schnell seinen Anklang in weiteren europäischen Ländern. Beim Slow Tourism geht es nicht um die Schnelligkeit oder Dauer Eurer Reise, sondern vielmehr um die Einstellung. Es geht darum, die Geschwindigkeit und Komplexität Eurer Reise zu reduzieren, um Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen. Dabei wird großen Wert auf die Intensität des Erlebnisses gelegt, die Vielzahl verschiedener Aktivitäten und Eindrücke rückt dagegen in den Hintergrund.

Handy abschalten! Durch die zunehmende Digitalisierung ist ein Tag ohne Smartphone, Tablet oder Computer in der Hand kaum mehr vorstellbar. Zwar suchen die Deutschen im Urlaub nach Ruhe und Entschleunigung, doch vom heißgeliebten Smartphone trennen sich die meisten selbst am Strand nur ungern. Beim Slow Tourism soll genau das verhindert werden. Aus der digitalen Welt austreten, mit offenen Augen die Umgebung betrachten und bei einer Fahrradtour durch die Natur, einem Strandspaziergang oder beim Wellness alle Sinne entspannen.

Destinationen

Unter dem Begriff Slow Tourism fallen unterschiedliche Reiseformen, von Wellnessurlaub über Aktivurlaub, Wandern und Pilgern bis hin zum Backpacking. Für Slow Tourism müsst Ihr nicht zwangsläufig in den Flieger steigen, auch Urlaub auf „Balkonien“ in einer naturbelassenen Region Deutschlands kann für Ruhe und Entspannung sorgen. Besonders beliebt sind abgelegene Häuser mitten in der Natur, Klöster oder Berghütten, wo Reisende nach Geborgenheit suchen. Wenn Ihr keine lange Anreise auf Euch nehmen möchtet, dann bieten sich deutsche Weinregionen oder die schönsten Wälder in Deutschland perfekt für einen Slow Tourism Urlaub an. Auch die Alpengebiete in Österreich, Italien und der Schweiz sind dafür perfekt geeignet. Hauptsache keine Hotelketten und kein Pauschaltourismus, denn die oberste Priorität beim Slow Tourism ist Entspannen und Innehalten, sowie die regionale Kultur und Küche genießen.

Wellness Yoga

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