Spätestens seitdem der Klimaschutz in aller Munde ist, boomt der Ökotourismus. Man verbinde das moderne Umwelverständnis mit einer einzigartigen Reiseerfahrung und schon hat man ihn, den Ökotourismus. Allerdings geht es bei dieser Form des Reisens nicht nur um den Naturschutz. Nachhaltiger Tourismus wird von der vor mehr als 20 Jahren gegründeten International Ecotourism Society als „verantwortungsbewusstes Reisen, das die Umwelt schützt und das Wohlbefinden der einheimischen Bevölkerung aufrechterhält“ definiert. Das Ziel ist auf die Umwelt und die ansässige Bevölkerung einer Reisedestination besonders Rücksicht zu nehmen sowie die Ökosysteme der ökologisch wichtigen und schützenswerten Gebiete, die man besucht, möglichst wenig zu belasten.

Costa Rica Brücke Jungle Ökotourismus

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Ökotourismus



Nachhaltiger Tourismus fängt meist schon vor der eigentlichen Reise an! Der Reisekatalog soll möglichst auf umweltfreundlichem Papier gedruckt sein und mit den Einnahmen durch den Reisepreis sollen gemeinnützige Projekte vor Ort unterstützt werden. Weiterhin möchten umweltbewusste Urlauber möglicht in kleinen Reisegruppen verreisen und einheimische Führer haben. Viele Urlauber wollen ihre Ferien nicht dort verbringen, wo die Landbevölkerung kein sauberes Trinkwasser hat und die Einheimischen zu Hungerlöhnen arbeiten müssen. Der typische „Öko-Tourist“ ist nach Angaben der International Ecotourism Society (TIES) über 40, gebildet und verfügt über ein hohes Einkommen.

Weltweite Destinationen

Ökotourismus soll umweltverträglich, wirtschaftlich ergiebig und sozial gerecht sein. Doch wie verbindet man all diese Faktoren mit einem Urlaub und wo macht man ihn am besten? Nachhaltiger Tourismus kann theoretisch überall betrieben werden. Nachhaltiges Reisen kann beispielsweise ein Campingtrip im Nachbarort sein, genauso ein Tauchkurs auf den Malediven oder ein Badeurlaub in Kambodscha. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Reiseländer, in denen Ökotourismus möglich ist, von 20 auf 40 gestiegen. Außerdem haben sich weitere Strömungen des Nachhaltigen Tourismus gebildet, wie etwa der Slow Tourism.

Nationalpark von Ankarafantsika

Erwähnenswerte Ökotourismus Destinationen sind zum Beispiel der Nationalpark von Ankarafantsika in Madagaskar und das Bokeo Nature Reserve in Thailand. Im ersteren bevölkern von Aussterben bedrohte Schildkröten, die es sonst nirgendwo anders auf der Welt gibt, den Park. Durch verarmte Reisbauern, die das Wald- und Savannengebiet als Quelle für Wasser und Brennholz nutzten, sind die seltenen Tiere fast vertrieben worden. Durch die Einführung des Ökotourismus konnten sich die Bestände jedoch wieder erholen. Urlauber, die am Naturpark und dessen Flora und Fauna interessiert sind, unterstützen mit dem Eintrittsgeld den Naturschutz sowie soziale Projekte. Die Reisbauern, die einst die Wälder abholzten, arbeiten jetzt als Touristenführer.

Bokeo Nature Reserve

Im Bokeo Nature Reserve im Nordwesten von Laos kann man in Baumhäusern leben, die in den Wipfeln der riesigen Urwaldbäume untergebracht sind. Während der mehrtägigen Touren durch das Naturschutzgebiet schwingt man an Seilen befestigt von Baum zu Baum und kann währenddessen die atemberaubende Aussicht über den Dschungel genießen. In den Baumkronen des Gebietes leben Schwarze Gibbons, die bereits als ausgestorben galten. Heute leben rund 400 der Primaten in dem schwer zugänglichen Naturschutzgebiet. Tiger und Elefanten findet man hier ebenfalls vor. Wilderei, Holzeinschlag und Brandrodungslandwirtschaft wurden durch lokale Wirtschaftsformen als die Haupteinnahmequelle ersetzt um den Erhalt und die Inwertsetzung der Natur zu beschützen. Einheimische arbeiten heute als Guides oder Waldschützer.

Manche Zielorte, wie zum Beispiel das Soneva-Resort auf den Malediven und in Thailand, berechnen ihren Gästen sogar eine Abgabe, die dem ökologischen Fußabdruck ihrer An- und Abreise entspricht, und unterstützen mit dem eingenommenen Geld Aufforstungsprojekte in Asien. Weitere beliebte Destinationen des Ökotourismus sind Neuseeland oder Bonito in Brasilien. Es finden sich allerdings auch Ziele in Europa, wie zum Beispiel die Inselgruppe St. Kilda in Schottland, welche nicht nur landschaftlich sondern auch kulturell sehr bedeutsam ist und sogar von der UNESCO zum Doppel-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Thailand Krabi Wald

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Ökotourismus in Deutschland

Um umweltbewussten Urlaub betreiben zu können, müsst Ihr allerdings nicht immer weit verreisen. In Deutschland gibt es ebenfalls Destinationen, die sich dem Ökotourismus verschrieben haben. Hier gibt es sogar um die 160 touristische Ziele, die den Fokus auf erneuerbare Energien gesetzt haben. Dazu gehört beispielsweise die Solarfähre am Bodensee.

Destinationen in Deutschland

In Baden-Württemberg findet Ihr vielfältige und vor allem grüne Landschaften, die der heimische Tourismusverband als den “Grünen Süden“ bewirbt. Kulinarische Spezialitäten sowie malerische Altstädte sind ebenfalls verlockend und absolut sehenswert. Wandertouren, Radausflüge und Sightseeingtage in den schönsten Städten im Land, darunter in Freiburg oder in den Bodenseeorten gehören hier zum Programm. Die grünen Unterkünfte, wie es sie unter anderem im Schwarzwald gibt, müssen etablierte Umwelt- und Nachhaltigkeitssiegel nachweisen. Baden-Württemberg ist der perfekte Ort für einen grünen Badeurlaub oder für Ökotourismus in den Bergen.

Auch in deutschen Größstädten ist ein nachhaltiger Urlaub möglich. Im Wälderhaus Hamburg auf der Elbinsel Wilhelmsburg zum Beispiel findet man nicht nur ein hervorragendes 3.5* Hotel sondern ebenfalls ein Science Center, in dem über die Flora & Fauna der deutschen Wälder aufgeklärt wird.

Das Motto in der Uckermarck im Osten Deutschlands ist „Tourismus und Wasser – die gemeinsame Zukunft schützen“. Die Region hat sogar den Bundeswettbewerb für Nachhaltige Tourismusregionen 2012/2013 gewonnen. Wenn man hier Urlaub macht, übernachtet man in nachhaltig wirtschaftenden Betrieben, von denen knapp 85 % klimaneutral sind. Die Revitalisierung der Moorflächen hat allerdings nicht nur einen positiven Effekt auf das Klima: Der regionale Naturschutz wird durch den Tourismus ebenfalls gefördert.

Alpen Zugspitze Eibsee

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Sanfter Tourismus, der Rücksicht auf Umwelt und die einheimische Bevölkerung nimmt, ist definitiv auf dem Vormarsch. Mittlerweile betreiben fast 70 Millionen Menschen Ökotourismus und reisen an Orte mit sensiblen Ökosystemen, um zu ihrem Schutz beizutragen. Ich denke, dass Ökotourismus einen wertvollen Beitrag dazu leisten kann, das Bewusstsein für die ökologischen Probleme unserer Erde zu stärken und jedem Reisenden die Möglichkeit gibt, mit seiner Reiseleidenschaft etwas Gutes für Mensch, Natur und Tiere zu bewirken.