Der Jakobsweg ist der älteste Pilgerweg der Welt und wird seit über 1000 Jahren praktiziert. Auch wenn viele Menschen von DEM EINEN Jakobsweg sprechen, ist das ein Irrtum. Es gibt unzählige Jakobswege durch Tschechien, Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Spanien und ja, sogar England! Die Gemeinsamkeit: Alle enden in der spanischen Stadt Santiago de Compostela, um dort das angebliche Grab des Apostels Jakobus zu erreichen. Selbst wenn Ihr aus der Haustüre hinaus nach Santiago de Compostela lauft, ist dies ein Jakobsweg. Natürlich haben sich aber mit der Zeit beliebte Routen herausgebildet, die seit Jahrhunderten von Pilgern bevorzugt werden. Ich zeige Euch die beliebteste Route und gebe Euch hilfreiche Jakobsweg Tipps mit auf den Jakobsweg. :)

Jakobsweg Tipps

Jakobsweg Tipps

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Welcher ist der beliebteste Jakobsweg?

Der beliebteste und bekannteste Streckenabschnitt des Jakobsweges ist natürlich in Spanien und heißt Camino Francés. Circa zwei Drittel der Menschen, die den Jakobsweg gehen, entscheiden sich für genau diese Route, deshalb nun meine Jakobsweg Tipps für den Camino Francés. Diese Route beginnt an der spanisch-französischen Grenze in St. Jean Pied de Port und geht weiter nach Pamplona, über Logroño, Burgos, León, Astorga, Ponferrada bis nach Santiago de Compostela. Insgesamt 800 Kilometer müsst Ihr zurücklegen! Der Jakobsweg Camino Francés ist perfekt auf alle Wanderfreunde zugeschnitten und durch die Menge an Pilgern (über 150.000 pro Jahr) bereits am meisten touristisch erschlossen. Egal, ob Ihr noch Anfänger oder schon Fortgeschrittene Wanderer seid, dieser Jakobsweg ist vom Schwierigkeitsgrad leicht bis mittelschwer. Ein paar Berge, wie die Pyrenäen am Anfang der Strecke, müsst Ihr zwar erklimmen, aber danach seid Ihr sicher stolz auf Euch! :)

Damit Ihr natürlich nicht allzu schnell erschöpft seid, solltet Ihr diese Reise am Besten auf den Frühling oder Herbst legen, wenn die Temperaturen noch angenehm mild sind und die Sonne nicht täglich 12 Stunden auf Euren Kopf brennt. Außerdem herrscht zu diesen Jahreszeiten nicht so viel Tourismus wie in der Hochsaison. Plant für diese Route circa 5 – 6 Wochen ein, damit Ihr entspannt und spontan wandern könnt und nicht unter Zeitdruck geratet. Ich habe auch davon gehört, dass manche Leute den Jakobsweg nicht an einem Stück, sondern verteilt auf mehrere Jahre meistern. Da sich viele der Wanderer keine 5 Wochen am Stück Urlaub nehmen können, wird nur für 1-2 Woche gewandert und im nächsten Jahr am letzten Stop weitergemacht. Eine tolle Idee!

Natürlich müsst Ihr nicht genau diese Route nehmen. Ihr könnt auch in Porto, Sevilla, Barcelona, Madrid oder gar aus einem anderen europäischen Land beginnen. Wichtig ist, dass Ihr am Ende Santiago de Compostela erreicht! Wenn Euch Wandern zu anstrengend ist oder Ihr keine 5 Wochen Zeit habt, dann könnt Ihr ebenso mit dem Fahrrad fahren. Die Radstrecke verläuft nahezu parallel zum Camino Francés und heißt Eurovelo 3. Für diese Strecke braucht Ihr circa 8 Tage. Den Jakobsweg mit den Fahrrad zu entdecken ist heute bereits sehr beliebt: knapp 10 % der Pilger absolvieren den Weg mit dem Fahrrad.

Was macht den Jakobsweg so besonders?

Eigentlich wird der Jakobsweg seit Jahrtausenden praktiziert, um das Grab des Apostels Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostela zu besuchen. Dieses Ziel ist nach Rom und Jerusalem die bekannteste christliche Pilgerstätte der Welt. Viele Gläubige machten sich damals auf den Weg in das heilige Pilgerzentrum in Spanien. Doch seit den 1970er Jahren erlebte der bekannte Jakobsweg einen touristischen Aufschwung. Viele Prominente, wie Papst Johannes Paul II oder Hape Kerkeling, der sogar ein Buch mit hilfreichen Jakobsweg Tipps und einen Kinofilm über seine Reise veröffentlichte, machten den Jakobsweg für viele Reisende attraktiv. Heute wird nicht mehr nur wegen religiösen Gründen nach Santiago de Compostela gepilgert, sondern wegen der tollen Eindrücke und Erfahrungen.

Das fabelhafte am Jakobsweg ist die Spontanität und Aktivität der Menschen. Hier ist nichts mit pompösen Hotelressorts und faul auf der Haut liegen. Jeden Tag erwartet Euch etwas anderes, Ihr sucht Euch täglich spontan ein Unterkunft und macht das nächste Ziel von Eurer Tagesform abhängig. Die Unterkünfte sind oft alles andere als luxuriös, aber man gewöhnt sich schließlich an alles. Da ich persönlich sowieso eher ein Fan von Abenteuer und Aktivurlaub bin, statt in Luxusresorts und Wellnesshotels zu entspannen, sehe ich den Jakobsweg als eine tolle Möglichkeit, um unvergessliche Erfahrungen fürs Leben zu sammeln.

Außerdem bilden Pilger on Tour eine Gemeinschaft. Während der Strecke lernt Ihr sicher ganz viele tolle Menschen kennen, die Euch ein Stück begleiten und Euch bei großen und kleinen Krisen weiterhelfen. Mitreisende können Euch auch viele Jakobsweg Tipps mit auf den Weg geben. Während der Wanderung werdet Ihr außerdem nicht von sämtlichen Medien abgelenkt und könnt so die Natur in vollen Zügen genießen. Das kann äußerst entspannend sein! Wann sonst nehmt Ihr wirklich wahr, wenn eine Schnecke über die Straße tuckert oder welche Vielfalt an Insekten Euch täglich begegnet? Viele sagen, dass der Jakobsweg nicht nur die Gruppenidentität stärkt, sondern dass Ihr zugleich Eure innere Mitte findet und Euch selbst besser kennen lernt. Das kann ich mir sehr gut vorstellen, denn beim Reisen allgemein lernt Ihr Euch immer ein bisschen besser kennen und gerade beim Jakobsweg müsst Ihr doch das ein oder andere Mal Euren Schweinehund überwinden. :)

Jakobsweg Tipps & Tricks

„Jakobsweg“, das klingt immer so harmonisch und einfach, doch die Reise kann extrem anstrengend sein. Ihr dürft nicht vergessen, dass Ihr jeden Tag kilometerweite Strecken zurück legt! Das sollte natürlich absolut kein Hindernis darstellen und genau das macht den Jakobsweg ja so besonders, doch Ihr solltet das beim Packen und Planen im Hinterkopf behalten. Damit Ihr nichts Wichtiges vergesst habe ich abschließend noch nützliche Jakobsweg Tipps und Tricks für Euch!

Reiserucksack

Was Ihr unbedingt einpacken solltet, damit Eure Reise nicht langweilig und vor allem nicht schmerzhaft und stressig wird, zeigen Euch die folgenden Jakobsweg Tipps. Packt auf jeden Fall einen MP3 Player ein (wer so etwas noch hat) oder zieht ausreichend Musik auf Euer Smartphone. Das wichtigste: die Kopfhörer nicht vergessen! Denkt vor allem an ein Taschenmesser, Becher und eine Tupperdose, falls Ihr spontan Picknicken möchtet. Gleichermaßen wichtig sind Sicherheitsnadeln und Wäscheklammern, falls Ihr nasse Kleidung am Rucksack befestigen wollt, damit sie trocknen. Ein dünner Schlafsack ist ein absolutes Must-Have! Ihr wisst nicht wie sauber die Betten sind. Ich kann Euch empfehlen, Tagebuch zu schreiben. Wenn Ihr das nach in ein paar Jahren lest, kommen wunderschöne Erinnerungen hoch und Ihr könnt anderen Reisenden gute Tipps geben.

Wenn Ihr nach einem langen und anstregenden Tag einfach mal abschalten und entspannen wollt, nehmt Euch am Besten einen E-Book-Reader mit. Ein traditionelles Buch ist natürlich auch möglich, aber vergesst nicht, dass Ihr das jeden Tag kilometerweit mit Euch herumschleppen müsst. Jedes Gramm, das Ihr zu viel auf den Hüften tragt, wird sich bemerkbar machen. Allgemein solltet Ihr darauf achten, mit wenig Gepäck und leichten Sachen zu reisen. Kleidungstechnisch natürlich die bequemsten Wanderschuhe, die Ihr finden könnt, ebenso ein Paar Wanderstöcke sind auf manchen Streckenabschnitten unabdingbar, Kleidung für Wind und Wetter und ganz wichtig (gerade für die Weißbrote unter Euch) genug Sonnencreme! Bei einer 800 Kilometer Wanderung solltet Ihr außerdem genügend Blasenpflaster und eine gut ausgestattete Reiseapotheke dabei haben.

Noch mehr Tipps und eine ausführliche Checkliste für Männer und Frauen haben wir Euch in dem Artikel „Nichts für den Urlaub vergessen“ zusammen gefasst.

Jakobsweg Tipps

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Pilgerausweis

Der Pilgerausweis ist sozusagen Eure Eintrittskarte zum Jakobsweg. Er hat zum einen den Vorteil, dass Ihr während Eurer Reise in nur für Wanderer des Jakobswegs ausgelegten Pilgerherbergen übernachten könnt und zum anderen erhaltet Ihr eine Urkunde, die sogenannte Compostela, am Ende Eurer Pilgerreise. Wenn Ihr den Jakobsweg gemeistert habt und in Santiago de Compostela angekommen seid, könnt Ihr Euch Eure persönliche Pilgerurkunde abholen. Dafür müsst Ihr Euren Pilgerausweis lediglich in den verschiedenen Unterkünften, in Kirchen, Touristeninformationen oder Bars abstempeln lassen. Eine Urkunde bekommt Ihr bereits ab 100 Kilometern zu Fuß und 200 Kilometern per Fahrrad.

Den Pilgerausweis erhaltet Ihr an ganz verschiedenen Anlaufstellen und kostet Euch zwischen 2 und 10 Euro. Ihr könnt Ihn direkt in Deutschland, in Österreich oder in der Schweiz beantragen oder direkt vor Ort in Spanien. Vor allem an den begehrten Anlaufstellen des Camino Francés erhälst du an jeder Ecke einen Pilgerausweis. Ich empfehle Euch allerdings, ihn bereits in Deutschland zu beantragen, so erspart Ihr Euch die lästige Suche in Spanien und seid gleich perfekt vorbereitet und könnt loswandern!

Navigation

Viele Pilger sind ausgerüstet mit modernen Navigationsgeräten und mit einer mir unbekannten High-Tech-Ausrüstung. Allerdings braucht Ihr das meiner Meinung nach alles nicht. Besorgt Euch einen Reiseführer und seht einfach auf der Landkarte nach, wenn Ihr nicht mehr weiter wisst. Vom Weg könnt Ihr eigentlich nicht abkommen, denn überall findet Ihr die bekannte Jakobsmuschel in sämtlichen Farben, an Hauswänden, Formationen aus Steinen oder auf Meilensteinen. Die Symbole und Pfeilen weisen Euch den Weg! Selbst ohne Karte könnt Ihr kaum vom Weg abkommen. Erlebt ein echtes Abenteuer und lasst die elektronischen Gerätschaften einfach mal zu Hause!

Wasser

Das Thema Wasser spielt beim Pilgern ebenso eine wichtige Rolle, vor allem wenn schwüle Temperaturen herrschen und die Sonne keine Wolke zum Verstecken findet. Schließlich wollt Ihr ja nicht täglich 3 Liter Wasser mit Euch herumschleppen. Entlang der Pilgerstrecke Camino Francés gibt es circa alle 5 Kilometer einen Brunnen mit Frischwasser. Dort könnt Ihr Eure Flasche wieder auffüllen und Euch kurz erfrischen. Falls sich in einem Streckenabschnitt kein Brunnen befindet, wird dies in Eurem Reiseführer eingezeichnet. Deshalb unbedingt auch einen Reiseführer besorgen und einpacken! Empfehlen kann ich Euch den Reiseführer von OUTDOOR.

Essen

In den meisten Herbergen gibt es eine gut ausgestattete Küche. Kauft kurz bevor Ihr in der Herberge ankommt im nächstgelegenen Supermarkt ein paar Lebensmittel ein und verarbeitet diese später. Mit ein bisschen Glück lassen Euch sogar die Vorgänger etwas von Ihrem Abendessen in der Herberge da, was am Vortag übrig geblieben ist. Haltet da also immer die Augen offen! Aber falls Ihr mal keine Lust auf Kochen habt, ist das auch kein Problem, denn Restaurants findet Ihr an jeder Ecke und viele Herbergen und Gaststätten bieten spezielle Pilgermenüs für circa 15 Euro an, bestehend aus einem 3-Gänge-Menü mit regionalen Spezialitäten plus Wein und Wasser. Ein absolutes Highlight der Menüs ist der Nachtisch Tarta de Santiago, den solltet Ihr unbedingt probieren!

Ich hoffe, ich konnte Euch mit meinen Jakobsweg Tipps nun ein paar Fragen beantworten, Euch vielleicht für eine Reise motivieren oder Euch bei Euren Vorbereitungen weiterhelfen. Egal, ob Ihr schon erfahrenen Pilger seid und jährlich einen Wanderurlaub macht oder ob Ihr selten wandert und einfach Lust auf den Jakobsweg habt, jeder wird es schaffen und unvergessliche Erlebnisse und Erfahrungen mit nach Hause bringen. Flüge nach Spanien und zum Startpunkt des Camino Francés findet Ihr bei Skyscanner. Falls Ihr gerne nach Spanien wollt, aber es nicht unbedingt der Jakobsweg sein muss, dann schaut in unseren Spanien-Deals vorbei!